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Pseudo-Pfeffer-Profil

Andaliman-Pfeffer

Zanthoxylum acanthopodium – Das elektrische Gewürz der Batak

Andaliman ist kein Pfeffer im botanischen Sinne, sondern ein naher Verwandter der Zitrusgewächse aus dem vulkanischen Hochland Sumatras. Mit seinem explosiven Limettenaroma und dem charakteristischen elektrisierenden Prickeln auf der Zunge ist er eines der faszinierendsten Gewürze Südostasiens – das heilige Gewürz der Batak-Stämme vom Tobasee.

Botanische Identität

Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale

Zanthoxylum acanthopodium DC. gehört zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) – derselben Familie wie Zitronen, Orangen und Grapefruits. Damit ist Andaliman taxonomisch völlig getrennt von den echten Pfeffern (Piper, Piperaceae) und zählt zu den sogenannten „Pseudo-Pfeffern". Er ist ein naher Verwandter des Szechuanpfeffers (Z. bungeanum) und des Sansho (Z. piperitum), unterscheidet sich aber durch seine ausgeprägt zitrische Art acanthopodium.

Die Pflanze wächst als dorniger, laubabwerfender Strauch oder kleiner Baum mit einer Höhe von 2–8 Metern. Die unpaarig gefiederten Blätter verströmen beim Zerreiben bereits den charakteristischen Zitrusduft. Im Gegensatz zum echten Pfeffer, bei dem der Same verwendet wird, nutzt man beim Andaliman das getrocknete Perikarp(die Fruchtkapsel) – die schwarzen Samen im Inneren werden entfernt, da sie bitter schmecken.

Handelsname

Andaliman-Pfeffer

Batak-Pfeffer, Intir-intir

Botanischer Name

Zanthoxylum acanthopodium

Familie: Rutaceae

Wuchsform

Dorniger Strauch

2–8 m Höhe

Ordnung

Sapindales

Verwandt mit Citrus

Genutzter Teil

Perikarp (Fruchtkapsel)

Nicht der Same

Klassifizierung

Pseudo-Pfeffer

Kein Piper-Gewächs

Andaliman-Pfefferbeeren in Nahaufnahme
Andaliman-Pfeffer – die kleinen rotbraunen Beeren von Zanthoxylum acanthopodium erzeugen ein elektrisierendes Zitrus-Prickeln. Bild: KI generiert.

Herkunft, Terroir & Anbau

Das vulkanische Hochland Sumatras als Ursprung

Die Heimat des Andaliman ist das vulkanische Hochland von Nordsumatra, insbesondere die Regionen rund um den Tobasee – den größten Vulkansee der Welt. Er wächst bevorzugt in Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern in den Distrikten Toba Samosir, Nord-Tapanuli und Dairi. Wissenschaftliche Studien (Septama et al. 2024) belegen, dass gerade die Höhenlage die Konzentration an Monoterpenen wie Limonen und Citronellal massiv fördert – in indonesischen Proben wurde ein Limonen-Anteil von bis zu 47 % gemessen.

Im Gegensatz zu den meisten Kulturpfeffern wird Andaliman überwiegend wild gesammelt und nicht in Plantagen kultiviert. Die vulkanischen Böden mit hohem Tonanteil und die Höhenlage über 1.500 m gelten als Hauptfaktoren für die Ölqualität. Eine Studie aus 2024 identifizierte die Bodentextur (Ton) als wichtigsten Faktor für die Ausbeute an ätherischen Ölen. Die Haupterntezeit liegt im März, wenn die Beeren ihre optimale Reife erreichen.

Terroir-ParameterSpezifikationAuswirkung auf das Profil
GeographieNordsumatra, Tobasee-RegionEinzigartiges vulkanisches Terroir
Höhenlage1.200–1.800 mHöhere Monoterpen-Konzentration
BödenVulkanisch, tonreichMaximale Ölausbeute (Studie 2024)
AnbauWildsammlung, keine PlantagenUnverfälschtes Wildprofil
ErntezeitHauptsaison MärzSaisonales Premium-Produkt

Region

Nordsumatra

Tobasee-Hochland

Höhenlage

1.200–1.800 m

Vulkanhochland

Anbauform

Wildsammlung

Keine Plantagen

Erntezeit

März

Saisonal limitiert

Toba-See auf Sumatra, Indonesien
Der Toba-See auf Sumatra – der weltweit größte Vulkansee und Heimat der Batak-Kultur und des Andaliman. Bild: KI generiert.

Ernte & Verarbeitung

Von der dornigen Wildpflanze zur aromatischen Kapsel

Die Ernte des Andaliman ist eine mühsame Handarbeit, da die Sträucher wehrhafte Dornen besitzen. Die Beeren werden in Clustern (Fruchtständen) geerntet, sobald sie eine grün-rötliche Färbung annehmen – ein Zeichen optimaler Reife. Die Verarbeitung erfolgt traditionell durch Sonnentrocknung, bei der sich die Kapseln öffnen und die schwarzen, bitteren Samen freigeben. Für die hochwertige Kulinarik wird ausschließlich die aromatische Hülle (das Perikarp) genutzt.

PhaseDetailsErgebnis
ErnteHandpflückung, grün-rötliche ReifeMaximaler Terpen-Gehalt
TrocknungSonnentrocknung, 3–5 TageKapseln öffnen sich natürlich
SamenentfernungSchwarze Samen werden entferntEliminierung der Bitterkeit
SortierungEntfernung von Stielen/FremdkörpernReine Perikarp-Qualität
HandelsformGanze Kapseln oder grob geschrotetAromaschutz durch geringe Oberfläche

Traditionelle Sonnentrocknung

Die Trocknung unter der tropischen Sonne Sumatras bewirkt eine natürliche Öffnung der Fruchtkapseln und eine schonende Konzentrierung der ätherischen Öle. Bei zu rascher industrieller Trocknung würden die flüchtigen Zitrusterpene verloren gehen – ein Grund, warum handwerklich verarbeiteter Andaliman geschmacklich weit überlegen ist.

Wilder Andaliman-Strauch am Toba-See
Wildwachsender Zanthoxylum acanthopodium – die Batak sammeln die Beeren traditionell von Hand. Bild: KI generiert.

Chemische Zusammensetzung

Sanshool statt Piperin – ein fundamental anderes Wirkprinzip

Das chemische Profil des Andaliman unterscheidet sich fundamental von echtem Pfeffer. Sein Leitwirkstoff ist Hydroxy-α-Sanshool (C₁₆H₂₅NO, MW: 247), ein Alkylamid, das nicht die typische Hitze von Piperin erzeugt, sondern auf mechanosensitive Ionenkanäle wirkt – insbesondere TRPA1-Rezeptoren, die für das charakteristische Prickeln und die leichte Taubheit verantwortlich sind. Der α-Sanshool-Gehalt liegt bei 0,69–1,08 % (Trockenbasis).

Das ätherische Öl, das über 3 % bei frischer Wildsammlung erreichen kann, wird von Limonen (28–47 %) dominiert, gefolgt von Geranylacetat (23–24 %). Bemerkenswert: Limonen nimmt beim Trocknen ab, während Geranylacetat und Citronellal zunehmen (Septama et al. 2024, Fitoterapia). Insgesamt wurden mittels GC-MS 29 Verbindungen identifiziert, darunter auch Geraniol, β-Citronellol, α-Pinen und Linalool.

Leitwirkstoff

Hydroxy-α-Sanshool

Kein Piperin!

Ätherisches Öl

Über 3 % (frisch)

Limonen-dominiert

Terpenprofil – Limonen-dominiert

Limonen2847 %

Aroma: Zitrus, Limette, frisch

Geranylacetat2324 %

Aroma: Blumig, rosenähnlich

Citronellal512 %

Aroma: Zitronig, frisch

α-Pinen38 %

Aroma: Kiefernartig, harzig

Caryophyllen25 %

Aroma: Würzig, holzig

Studien aus 2022–2024 zeigen massive geographische Unterschiede im Terpenprofil:

  • Indonesien (Sumatra): Limonen 47,13 % + Geranylacetat 23,84 % – das klassische Zitrusprofil
  • China: Limonen 29,78 % + β-Myrcen 26,65 % – kräutiger, erdiger
  • Myanmar: Terpinen-4-ol dominant (43,35 %) – medizinischer, eukalyptisch

Quelle: Yang et al. 2022, Molecules 27(16):5243; Septama et al. 2024, Fitoterapia

Neben Terpenen und Sanshool enthält Andaliman ein reiches Spektrum sekundärer Pflanzenstoffe:

  • Flavonoide: Catechin, Isovitexin, Hesperidin, Vitexin
  • Lignane: Eudesmin, Kobusin, Fargesin, Sesamin, Asarinin
  • Cumarine: Psoralin
  • Weitere: Alkaloide, Saponine, Tannine, Glykoside

Quelle: PMC 10209417, Phytochemical Review 2023

Sensorisches Profil

Ein multidimensionales Sinneserlebnis

Sensorisch bietet Andaliman ein multidimensionales Erlebnis, das sich grundlegend von jedem echten Pfeffer unterscheidet. Statt Hitze erwartet den Verkoster ein elektrisierendes Prickeln, gepaart mit explosiven Zitrusnoten, die an frisch geriebene Limettenschale und Kaffir-Limettenblätter erinnern.

Aromaradar

LimetteZitronengrasKaffir-LimetteBlumigKühlendErdigPrickelndKiefernartig

Trigeminaler Effekt (Prickeln/Numbing)

Schärfe-Intensität

6/ 10Mittel
TypPrickelnd-elektrisierend (Tingling)
EinsatzSofort (binnen 2–3 Sekunden)
DauerLang (60–120 s, gefolgt von Numbing)
DimensionBeschreibung
VisuellKleine, geöffnete Kapseln, bräunlich-grün bis rotbraun, strukturiert
PrimäraromaExplosive Limettenschale, Zitronengras, Kaffir-Limettenblätter
SekundäraromaGeranienblüte (Geranylacetat), leicht kiefernartig (α-Pinen)
Trigeminaler EffektPrickelnd-elektrisierend (Tingling), gefolgt von leichter Taubheit (Numbing)
FinishSehr frisch, langanhaltend kühlend und reinigend, leicht metallisch

Kulinarische Verwendung

Herzstück der Batak-Küche und moderne Fusion

In der batakschen Küche Nordsumatras ist Andaliman die unverzichtbare Hauptzutat. Die Batak-Stämme (Karo, Pakpak, Simalungun, Toba, Angkola, Mandailing) verwenden ihn in nahezu jedem traditionellen Gericht. Das berühmteste ist Arsik (Dekke na niarsik), ein würzig-saures Fischgericht mit Karpfen, Fackelingwer und Andaliman – das Nationalgericht der Batak.

Aufgrund der Hitzeempfindlichkeit der Sanshoole sollte Andaliman erst gegen Ende des Kochprozesses oder als Finishing-Gewürz zugegeben werden. Im Mörser zerstoßen – nicht gemahlen – entfaltet er sein volles Potential.

Traditionelle Batak-Gerichte

  • Arsik – Würzig-saures Karpfengericht mit Fackelingwer
  • Saksang – Schweinefleischeintopf mit Blut und Gewürzen
  • Sambal Andaliman – Grünes Chili-Sambal mit Andaliman
  • Manuk Napidar – Gegrilltes Hähnchen mit Andaliman
  • Mie Gomak – Scharfe Kokosmilch-Nudelsuppe

Moderne Fusionsküche

  • Ceviche mit Andaliman-Prickeln
  • Desserts: Limetten-Mousse, Zitrus-Sorbets
  • Asiatisch inspirierte Marinaden für Fisch und Meeresfrüchte
  • Andaliman-Butter für gegrilltes Geflügel
  • Finishing-Gewürz für Tartare und Carpaccio

Küchentipp: Hitzeempfindlich!

Die aromatischen Sanshoole und Monoterpene sind thermolabil. Andaliman sollte niemals mitgebraten werden, sondern erst in den letzten 2–3 Minuten des Kochvorgangs oder als Finishing zugegeben werden. Im Mörser zerstoßen (nicht in der Mühle gemahlen) entfaltet er sein optimales Aromaprofil.

Batak Arsik Fischgericht mit Andaliman
Arsik – das legendäre Batak-Fischgericht vom Toba-See, gewürzt mit frischem Andaliman und Kurkuma. Bild: KI generiert.

Food Pairing & Getränke

Wissenschaftliches Pairing über gemeinsame Terpene

Wissenschaftliches Food Pairing verbindet Andaliman mit Zutaten, die seine Leitterpene teilen – insbesondere Limonen und Geranylacetat. Dadurch entstehen harmonische Kombinationen, die das Zitrusprofil verstärken, ohne es zu überdecken. In der traditionellen Batak-Küche finden sich diese Paarungen instinktiv: Kokosmilch, Ingwer, Galgant und Fackelingwer.

Lebensmittel

  • Kokosmilch und Kokoscreme
  • Ingwer, Galgant, Kurkuma
  • Frischer Koriander (Blatt und Wurzel)
  • Fisch, Garnelen, Tintenfisch
  • Mango, Passionsfrucht, Limette

Wein & Bier

  • Fruchtiger Riesling (Spätlese)
  • Gewürztraminer aus dem Elsass
  • Hopfenbetonte IPAs (Citra-Hopfen)
  • Belgisches Witbier

Cocktails & Spirituosen

  • Gin-Infusion (hebt Zitrusnoten)
  • Andaliman-Tonic mit Limettenzeste
  • Mezcal-Margarita mit Andaliman-Salz
  • Kombucha mit Andaliman-Infusion

Gesundheit & Pharmakologie

Traditionelle Heilkunde und moderne Forschung

Die Batak nutzen Andaliman traditionell zur Konservierung von Fleischund als Heilmittel bei Magenbeschwerden. Die enthaltenen Sanshoole wirken stimulierend auf den Speichelfluss und fördern die Verdauung. Moderne Studien (2022–2024) haben bemerkenswerte pharmakologische Aktivitäten nachgewiesen, die über die traditionelle Nutzung weit hinausgehen.

AktivitätIC₅₀ / EffektWirkstoffeQuelle
AntibakteriellVariable MIC, synergistisch mit TetracyclinLimonen + GeranylacetatSeptama 2024
KardioprotektivSOD, BNP, cTnT-Marker verbessertHydroalkohol-ExtraktDalimunthe 2024
AntiinflammatorischIC₅₀: 16 µg/mLVergleichbar mit L-NMMAYang 2022
AntifungalMIC₉₀: 26,3–499 µg/mLLimonen, β-MyrcenYang 2022
Antiviral (Dengue)IC₅₀: 13 µg/mLTerpinen-4-olYang 2022
LarvizidLC₅₀: 45,8–144 µg/mLGegen Aedes albopictusPMC 5952513

Im Gegensatz zu Piperin (TRPV1, „Hitze") aktiviert Hydroxy-α-Sanshool primär TRPA1-Rezeptoren und beeinflusst mechanosensitive Ionenkanäle. Dies erklärt das prickelnde Empfinden: Die Nervenenden werden ähnlich wie bei einer leichten elektrischen Stimulation angeregt. Dieser Mechanismus wirkt zudem leicht schmerzlindernd im Mundraum und fördert die Speichelsekretion, was die verdauungsfördernde Wirkung in der Batak-Medizin wissenschaftlich erklärt.

Qualitätsmerkmale & Einkauf

Erkennungszeichen eines Premium-Andaliman

Ein hochwertiger Andaliman zeichnet sich durch das Fehlen der schwarzen Samen aus, da diese bitter schmecken und das Zitrusaroma überlagern. Die Kapseln sollten eine intensive Farbe und einen sofort wahrnehmbaren Zitrusduft beim Zerreiben aufweisen. Da Andaliman meist wild gesammelt wird, existieren keine ISO-Grenzwerte wie bei Piper nigrum – die Qualität wird primär sensorisch bewertet.

Qualitätskriterien

  • Keine schwarzen Samen sichtbar (Bitterkeit!)
  • Intensiver Zitrusduft beim Zerreiben
  • Deutliches Prickeln auf der Zunge binnen Sekunden
  • Minimaler Anteil von Stielen und Fremdkörpern
  • Staubtrocken, keine Restfeuchtigkeit

Warnsignale

  • Viele schwarze Samen beigemischt (Gewichtsstreckung)
  • Kein oder nur schwacher Duft (alt/oxidiert)
  • Hoher Stielanteil (minderwertige Sortierung)
  • Muffiger oder erdiger Geruch (Fehltrocknung)
  • Klumpende, feuchte Ware (Schimmelgefahr)

Handelsform

Ganze Kapseln

Oder grob geschrotet

Normierung

Keine ISO-Norm

Sensorische Bewertung

Trockenheit

Staubtrocken

Max. 10 % Feuchtigkeit

Lagerung & Haltbarkeit

Extrem flüchtig – Schutz vor Licht, Luft und Wärme

Andaliman ist extrem flüchtig – deutlich empfindlicher als schwarzer Pfeffer. Die Zitrusterpene (insbesondere Limonen) oxidieren schnell bei Kontakt mit Luft und Licht. Eine Lagerung in opaken, luftdichten Gefäßen oder dunklen Gläsern ist zwingend erforderlich. Ganze Kapseln halten ihr Aroma etwa 12 bis 18 Monate; gemahlen verfliegt das Profil innerhalb weniger Wochen. Vakuumlagerung verlängert die Haltbarkeit der ätherischen Öle massiv.

Haltbarkeitsrechner

Haltbarkeits-Rechner

Geschätzte optimale Haltbarkeit

48 Monate

Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas

Ganze Kapseln

12–18 Monate

Opak und luftdicht

Gemahlen

3–4 Wochen

Schneller Aromaverfall

Temperatur

Unter 20 °C

Kühl und dunkel

Vakuum

Verlängert massiv

Beste Methode

Geschichte & Kulturelle Bedeutung

Das heilige Gewürz der Batak vom Tobasee

Der Andaliman ist tief in den Mythen und Ritualen der Batak-StämmeNordsumatras verwurzelt. Er gilt als heiliges Gewürz, das bei rituellen Festen, Hochzeiten, Geburten und Trauerfeiern nicht fehlen darf. Seine Verwendung symbolisiert Wohlstand, Einheit und Gastfreundschaft in der Batak-Kultur. Das Gericht Arsik, dessen unverzichtbare Zutat Andaliman ist, wird bei allen bedeutenden Familienereignissen serviert.

Historisch dokumentiert wurde Andaliman erstmals 1772 vom britischen Naturforscher Charles Miller. William Marsden beschrieb ihn 1783 in seinem Werk „The History of Sumatra". Dennoch blieb sein Handel lange auf die Insel begrenzt, da die Wildbestände in den schwer zugänglichen Bergwäldern des Toba-Hochlands lagen. Erst seit der Jahrtausendwende gelangt er über spezialisierte Gewürzhändler nach Europa.

ZeitraumEreignis
Jahrhunderte v. Chr.Traditionelle Nutzung durch Batak-Stämme am Tobasee
1772Erstdokumentation durch Charles Miller (Botaniker)
1783William Marsden beschreibt ihn in „The History of Sumatra"
~2010erErste Exporte nach Europa über Spezialitätenhändler
2022–2026Intensive wissenschaftliche Forschung (Bioaktivität, Terpene, Pharmakologie)

Kulturelle Bedeutung bei den Batak

In der Batak-Kosmologie ist Andaliman mehr als ein Gewürz – er ist ein Symbol für den Segen des Landes. Bei Hochzeiten wird Arsik als Zeichen der Einheit der Familien gereicht, bei Trauerfeiern ehrt er die Ahnen. Die sechs Batak-Stämme (Karo, Pakpak, Simalungun, Toba, Angkola, Mandailing) teilen diese Tradition über alle regionalen Unterschiede hinweg – Andaliman ist ihr verbindendes kulinarisches Erbe.

Markt, Handel & Wirtschaft

Ultra-Premium-Nische mit saisonaler Verfügbarkeit

Andaliman wird fast ausschließlich in Wildsammlung von Kleinbauerngewonnen, was ihn zu einem saisonalen und streng limitierten Produkt macht. Er zählt zur Kategorie der Ultra-Premium-Spezialitäten und liegt preislich deutlich über konventionellem schwarzem Pfeffer. In Europa ist er erst seit wenigen Jahren über spezialisierte Gewürzhändler wie Eterna, Place des Épices oder The Pepper Quest verfügbar.

Preissegment

Ultra-Premium

50–120 EUR/100 g

Verfügbarkeit

Sehr begrenzt

Saisonal, März-Ernte

Beschaffung

Wildsammlung

Keine Plantagen

Export

Spezialitätenhändler

Europa seit ~2015

Mit dem wachsenden Interesse an exotischen Gewürzen und der zunehmenden Aufmerksamkeit der Spitzengastronomie steigt die Nachfrage nach Andaliman kontinuierlich. Die begrenzte Verfügbarkeit durch Wildsammlung und die logistischen Herausforderungen des Transports aus dem Toba-Hochland halten das Angebot jedoch knapp. Einige Initiativen arbeiten an kontrolliertem Waldgartenanbau, der die Versorgung stabilisieren könnte, ohne die Wildbestände zu gefährden.

Verwechslungsgefahr & Verfälschungen

Abgrenzung zu Szechuan-, Timut- und Sansho-Pfeffer

Die größte Verwechslungsgefahr besteht mit anderen Zanthoxylum-Arten, die ebenfalls ein prickelndes Mundgefühl erzeugen. Andaliman ist jedoch deutlich zitrischer und weniger holzig im Aroma als Szechuanpfeffer und hat ein milderes Numbing als Timut-Pfeffer. Verfälschungen treten häufig durch das Mitwiegen der bitteren schwarzen Samen oder zu vieler Stiele auf, um das Handelsgewicht zu erhöhen.

MerkmalAndalimanSzechuanpfefferTimut-Pfeffer
ArtZ. acanthopodiumZ. bungeanumZ. armatum
HerkunftNordsumatraChinaNepal
LeitaromaLimette, ZitronengrasHolzig, erdigGrapefruit, Passionsfrucht
NumbingMittel, prickelndStark, betäubendIntensiv, zitrisch
LeitterpeneLimonen (47 %)Linalool, CineolLinalool, Limonen

Häufigste Verfälschung

Bittere Samen beigemischt

Gewichtsstreckung

Weitere Streckung

Übermäßig viele Stiele

Mindert Aromaqualität

Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung

Wildsammlung, Biodiversität und Batak-Familien

Da Andaliman in der Natur wild wächst, ist er ein Paradebeispiel für Agroforstwirtschaft und den Erhalt der Biodiversität in den Urwäldern Sumatras. Die Ernte bietet vielen Batak-Familien ein wichtiges Zusatzeinkommen, das zur wirtschaftlichen Stabilität der ländlichen Gemeinschaften beiträgt. Es bestehen jedoch Bestrebungen, den Wildwuchs durch kontrollierte Nachpflanzungen in Waldgärten zu schützen, um eine Übererntung der natürlichen Bestände zu verhindern.

Ökologische Aspekte

  • Keine Rodung – Ernte in bestehenden Wäldern
  • Förderung der Walderhaltung durch wirtschaftlichen Anreiz
  • Biodiversitätserhalt im Toba-Hochland
  • Kein Pestizideinsatz bei Wildpflanzen

Soziale Aspekte

  • Zusatzeinkommen für Batak-Familien
  • Bewahrung traditionellen Wissens
  • Waldgarten-Initiativen gegen Übererntung
  • Kulturelles Erbe wird wirtschaftlich valorisiert

Anbauform

100 % Wildsammlung

Kein Plantagen-Anbau

Ökologie

Biodiversitätsfördernd

Keine Monokultur

Soziales

Batak-Familieneinkommen

Kulturelles Erbe

Quellenverzeichnis

  • 1.Septama, A.W. et al. (2024): „Chemical profiles and antibacterial actions of Zanthoxylum acanthopodium DC. Essential oil growing in Indonesia." Fitoterapia.
  • 2.Dalimunthe, A. et al. (2024): „Cardioprotective Effect of Hydroalcohol Extract of Andaliman." Pharmaceuticals 17(3):359.
  • 3.Yang, L. et al. (2022): „Chemical Composition and Antifungal, Anti-Inflammatory, Antiviral, and Larvicidal Activities of Z. acanthopodium Essential Oils." Molecules 27(16):5243.
  • 4.Kintamani, R.B. et al. (2023): „Essential Oil Compounds of Andaliman Fruit Varieties and Their Utilization as Skin Anti-Aging." Life 13(3):754.
  • 5.Hasibuan, P.A.Z. et al. (2023): „Andaliman – a herbal medicine from North Sumatera: Phytochemical and pharmacological review." Heliyon 9(6):e16459. PMC 10209417.
  • 6.Marsden, W. (1783): The History of Sumatra. London. Erstbeschreibung der Nutzung durch Batak-Stämme.

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