
Lampong-Pfeffer
Piper nigrum L. – Sumatras Vulkan-Schärfe
Der Lampong-Pfeffer ist die kraftvolle Antwort Sumatras auf die globale Nachfrage nach intensiver Schärfe. Er gilt als einer der schärfsten schwarzen Pfeffer der Welt und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der indonesischen Gewürzkultur, bekannt für sein kleines, aber hocheffektives Korn.
Botanische Identität
Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale
Der Lampong-Pfeffer ist ein echter Pfeffer (Piper nigrum) aus der Familie der Piperaceae und der Ordnung Piperales. Die ausdauernde holzige Kletterliane gedeiht in den tropischen Regenwäldern Sumatras und zeichnet sich durch eine vergleichsweise geringe Steinfrucht-Größe aus. Trotz der kleinen Körner weist der Lampong-Pfeffer eine überdurchschnittliche Konzentration an Inhaltsstoffen auf – insbesondere Piperin und ätherische Öle.
Handelsname
Lampong-Pfeffer
Auch: Lampung-Pfeffer
Botanischer Name
Piper nigrum L.
Familie: Piperaceae
Wuchsform
Kletterliane
Tropischer Regenwald
Ordnung
Piperales
Echter Pfeffer
Fruchttyp
Steinfrucht (Drupe)
Klein, aber intensiv
Besonderheit
Höchste Piperin-Dichte
Konzentriertes Korn

Herkunft, Terroir & Anbau
Das vulkanische Terroir Sumatras und seine Auswirkung auf den Geschmack
Der Lampong-Pfeffer stammt aus der Provinz Lampung im Süden Sumatras, Indonesien. Das feuchtheiße tropische Klima direkt am Äquator mit Temperaturen von 20–30 °C und hoher Luftfeuchtigkeit begünstigt die Schärfeentwicklung. Die vulkanisch beeinflussten Lateritböden verleihen dem Pfeffer seine charakteristische erdige Grundnote – ein deutlicher Gegensatz zu den kalkhaltigen Böden Kambodschas.
| Terroir-Parameter | Spezifikation | Auswirkung auf das Profil |
|---|---|---|
| Geographie | Provinz Lampung, Südsumatra | Authentisches Anbaugebiet |
| Klima | Feuchtheiß, äquatorial | Begünstigt Schärfeentwicklung |
| Böden | Vulkanisch-lateritisch | Erdige Grundnote |
| Temperatur | 20–30 °C stabil | Ganzjährig optimale Bedingungen |
| Besonderheit | Vulkanische Mineralisierung | Mineralische Tiefe im Geschmack |
Region
Provinz Lampung
Südsumatra, Indonesien
Klima
Äquatorial-tropisch
Feuchtheiß
Böden
Vulkanisch-lateritisch
Erdige Grundnote
Temperatur
20–30 °C
Stabil ganzjährig

Ernte & Verarbeitung
Traditionelle Sonnentrocknung für intensiven schwarzen Pfeffer
Der Lampong-Pfeffer wird überwiegend als schwarzer Pfeffer verarbeitet. Die Ernte erfolgt im halbreifen Zustand, wenn die Beeren von grün zu gelblich umschlagen. Durch die traditionelle Sonnentrocknung findet eine enzymatische Oxidation statt – die Beeren schrumpfen und werden tiefschwarz. Das volle Aroma wird dabei in der Schale fixiert.
| Phase | Details | Ziel |
|---|---|---|
| Ernte | Halbreif, grün-gelblicher Farbumschlag | Optimaler Reifegrad für Schärfe |
| Trocknung | Traditionelle Sonnentrocknung | Konservierung der Aromastoffe |
| Oxidation | Enzymatisch, Perikarp wird tiefschwarz | Charakteristischer schwarzer Pfeffercharakter |
| Sortierung | Nach Korngröße und Dichte | Qualitätsklassifizierung |
Klein, aber oho!
Die geringe Korngröße des Lampong-Pfeffers täuscht: Durch die hohe Konzentration an Piperin und ätherischen Ölen im kompakten Korn entfaltet er eine überdurchschnittliche Schärfe und Aromadichte.

Chemische Zusammensetzung
Wirkstoffe, Terpene und das analytische Herzstück
Der Lampong-Pfeffer liegt mit einem Piperin-Gehalt von 7,0–9,0 % am oberen Ende der Skala aller schwarzen Pfeffersorten. Das ätherische Öl (min. 2,0 ml/100 g nach ISO-Standard) wird von β-Caryophyllen dominiert, das für die holzig-würzigen Noten verantwortlich ist. Limonen sorgt für frische Kopfnoten und α-Pinen für Nadelwald-Frische. Aufgrund seiner hohen analytischen Werte ist er ein bevorzugter Rohstoff für die Pfeffer-Oleoresin-Gewinnung in der Industrie.
Hauptwirkstoff
Piperin (Piperamid)
7,0–9,0 % (oberes Ende!)
Ätherisches Öl
Min. 2,0 ml/100 g
ISO-Standard
Terpen-Zusammensetzung
Anteil der wichtigsten Terpene am ätherischen Öl – bewege die Maus über die Balken für Aroma-Details
Aroma: Holzig, würzig, erdig
Aroma: Zitrus, frisch
Aroma: Nadelwald, frisch
Aroma: Kiefernartig, harzig
Aroma: Süßlich, harzartig
Wirkmechanismus
Piperin erzeugt beim Lampong-Pfeffer eine beißend-stechende Schärfe mit sofortigem Onset – die höchste Piperin-Konzentration unter den gängigen Handelssorten sorgt für eine intensive, langanhaltende Wirkung auf TRPV1- und TRPA1-Rezeptoren.
Sensorisches Profil
Aroma, Geschmack, Schärfe und Mundgefühl
Der Lampong-Pfeffer besticht durch seine kompromisslose Schärfe. Die auffallend kleinen, sehr runzligen, tiefschwarzen bis grauschwarzen Körner entfalten ein holzig-erdiges Primäraroma mit rauchigen und harzigen Noten. Die Schärfe ist sehr intensiv und „beißend-stechend" (~8-9/10) mit sofortigem Onset auf dem vorderen Gaumen und der Zungenspitze. Das Finish ist langanhaltend und wärmend – weniger fruchtig als Kampot, dafür kräftiger im Biss.
Aroma-Profil
Bewege die Maus über die Punkte für Details
Schärfe-Intensität
Visuell
- Klein und kompakt
- Sehr runzlig
- Tiefschwarz bis grauschwarz
Primäraroma
Geschmack
- Beißend-stechende Pungenz
- Wärmendes Langzeit-Finish
- Kraftvoll und unkompliziert
Kulinarische Verwendung
Gerichte, Proteine, Timing und Dosierung
Lampong-Pfeffer ist ideal für Gerichte mit klarer, dominanter Schärfe. Er ist das Herzstück indonesischer Klassiker wie Rendang und kräftiger Gewürzpasten. Seine Robustheit macht ihn besonders geeignet für längere Garzeiten – er verträgt Hitze besser als feinere Sorten. Auch für ein klassisches Steak au Poivre und kräftige Eintöpfe ist er die erste Wahl. Für volles Aroma stets frisch mahlen.
Ideale Einsatzgebiete
- Indonesische Klassiker – Rendang, kräftige Gewürzpasten – das Herzstück der Küche Sumatras
- Steak au Poivre – Kräftige Pfefferkruste mit vulkanischer Schärfe
- Kräftige Eintöpfe – Verträgt lange Garzeiten ohne Aromaverlust
Passende Proteine
Robuster Allrounder
Garzeiten
Der Lampong-Pfeffer verträgt auch längere Garzeiten, ohne sein Aroma zu verlieren.
Maximale Wirkung
Für maximale Wirkung dennoch frisch im Mörser brechen und erst in der letzten Phase zufügen.

Food Pairing & Getränke
Wissenschaftlich fundierte Kombinationen
Die holzig-erdige Brücke des Lampong-Pfeffers harmoniert perfekt mit dunklem Fleisch wie Rind und Wild. Bei Gemüse überzeugen Pilze, Wurzelgemüse und kräftige Hülsenfrüchte. Ein spannender Kontrast entsteht mit dunkler Edelschokolade (70 %+). Bei Getränken empfehlen sich rauchige Spirituosen wie Islay-Whisky und kräftige, tanninhaltige Rotweine wie Syrah.
Fleisch & Kräftig
- Rind
- Wild
- Rendang
Überraschend
- Dunkle Schokolade 70 %+
- Pilze
Getränke
- Islay-Whisky
- Syrah
- Stout-Bier
Signature Pairing: Steak au Poivre
Die beißende Schärfe des Lampong-Pfeffers macht ihn zum idealen Kandidaten für eine klassische Pfefferkruste. Grob gebrochen auf ein saftiges Ribeye – die vulkanische Kraft Sumatras auf dem Teller.
Gesundheit & Pharmakologie
Traditionelle Heilkunde und moderne Forschung
Lampong-Pfeffer wirkt verdauungsfördernd durch die Stimulation von Speichel- und Magensaftsekretion. Sein hoher Piperin-Gehalt macht ihn zu einem potenten Bioverfügbarkeits-Enhancer – insbesondere für Curcumin und verschiedene Vitamine. In der traditionellen Medizin Sumatras wird er für seine wärmenden und antimikrobiellen Eigenschaften geschätzt.
Lampong-Pfeffer fördert aktiv die Verdauung:
- Sekretion Stimulation von Speichel- und Magensaftsekretion
- Verwertung Verbesserte Nährstoffverwertung durch erhöhte Enzymaktivität
- Curcumin: Piperin steigert die Curcumin-Absorption signifikant (bis zu +2.000 %)
- Vitamine: Verbesserte Bioverfügbarkeit von Vitamin A, C und B-Komplex
- Mineralien: Erhöhte Absorption von Selen, Eisen und β-Carotin
- Wärmend: Traditionell eingesetzt bei Kälte- und Erkältungsbeschwerden
- Antimikrobiell: Natürliches antimikrobielles Potenzial
- Erkältungsmittel: In heißen Getränken als traditionelles Hausmittel
Qualitätsmerkmale
Einkaufsparameter und Erkennungsmerkmale nach ISO 959
Die Qualität von Lampong-Pfeffer wird nach ISO 959 bewertet. Entscheidend sind die Schüttdichte (≥ 490 g/L), der geringe Hohlkorn-Anteil (max. 5 %) und der hohe Piperin-Gehalt. Die Körner sind klein, aber schwer und fest – ein Zeichen für Qualität und hohe Wirkstoffkonzentration.
| Parameter | Standard / Richtwert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Piperin | 7,0–9,0 % | Am oberen Ende der Skala |
| Schüttdichte | ≥ 490 g/L | Indikator für Kornqualität |
| Hohlkörner | Max. 5 % | Geringe Light Berries |
| Ätherische Öle | ≥ 2,0 ml/100 g | Aromatische Qualität |
| Korngröße | Klein, aber dicht | Konzentrierte Wirkstoffe |
| Feuchtigkeit | Max. 13 % | Schutz vor Schimmelbildung |
Lagerung & Haltbarkeit
So bleibt dein Lampong-Pfeffer frisch
Der hohe Gehalt an flüchtigen ätherischen Ölen macht eine luftdichte Lagerung essenziell. Lagere den Pfeffer kühl unter 21 °C in opaken Gefäßen (UV-Schutz). Ganze Körner sind bei optimaler Lagerung 3–4 Jahre haltbar. Immer im Ganzen kaufen und erst unmittelbar vor dem Gebrauch mahlen!
Haltbarkeits-Rechner
Geschätzte optimale Haltbarkeit
48 Monate
Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas
Lagerungs-Regeln
- 1Im Ganzen kaufen
Gemahlener Pfeffer verliert rapide sein Aroma
- 2Luftdicht lagern
Sauerstoff beschleunigt die Oxidation der ätherischen Öle
- 3Unter 21 °C
Kühle Lagerung bewahrt die Wirkstoffkonzentration
- 4UV-Schutz (opake Gefäße)
Licht baut Piperin ab – bernsteinfarbenes Glas ideal
- 53–4 Jahre haltbar
Ganze Körner bei optimaler Lagerung
Geschichte & Kultur
Sumatra als Knotenpunkt der Gewürzstraße
Sumatra war jahrhundertelang ein Knotenpunkt der Gewürzstraße. Die VOC (Niederländische Ostindien-Kompanie) kontrollierte den Pfefferhandel streng und machte den Lampong-Pfeffer zu einem wichtigen Exportgut nach Europa. Seine Haltbarkeit und intensive Schärfe machten ihn zu einem bevorzugten „Zahlungsmittel" der kolonialen Handelsbeziehungen.
Erste europäische Kontakte mit dem Pfefferhandel Sumatras – portugiesische und niederländische Seefahrer
VOC-Monopol: Die Niederländische Ostindien-Kompanie kontrolliert den Pfefferexport aus Lampung
Intensiver Kolonialhandel – Lampong-Pfeffer wird zum wichtigen Exportgut und „Zahlungsmittel"
Indonesische Unabhängigkeit – Neuordnung des Pfefferhandels und Aufbau nationaler Strukturen
Globaler Commodity-Markt – Lampong-Pfeffer als Benchmark für industrielle Pfefferqualität
Markt, Handel & Wirtschaft
Indonesiens Rolle im globalen Pfeffermarkt
Indonesien hält ca. 12 % des Weltmarktanteils an der Pfefferproduktion. Die Provinz Lampung ist die wichtigste Anbauregion für schwarzen Pfeffer in Indonesien. Der Lampong-Pfeffer wird meist als Commodity gehandelt, erzielt aber stabile Preise dank seiner hohen analytischen Werte – insbesondere des Piperin-Gehalts. Er ist zudem ein bevorzugter Rohstoff für die Oleoresin-Industrie.
Produktion
Ca. 12 % Weltmarktanteil
Indonesien gesamt
Handelsform
Commodity-Handel
Stabile Preise durch hohe Qualität
Lampong-Pfeffer im Überblick
Verwechslungsgefahr & Verfälschungen
Erkennung von Verfälschungen bei gemahlenem Pfeffer
Die kleine Korngröße des Lampong-Pfeffers birgt bei gemahlenem Pfeffer eine erhöhte Verfälschungsgefahr. Häufig werden extrahierte Pfefferhülsen („Spent material") oder Papayakerne beigemischt. Ein einfacher Heimtest hilft: Ein Korn zerdrücken – sofort beißende Schärfe und eine holzige Note deuten auf echten Lampong-Pfeffer hin.
Warnzeichen für Fälschungen
- Extrahierte Pfefferhülsen („Spent material") – ausgelaugt und aromaarm
- Papayakerne als Streckmittel in gemahlenem Pfeffer
- Fehlende oder verzögerte Schärfe beim Zerdrücken
Echtheitsnachweis
So erkennst du echten Lampong-Pfeffer:
- Zerdrücken: Sofort beißende Schärfe + holzige Note = echt
- Klein, aber schwer und fest – kein Hohlkorn
- Tiefschwarz bis grauschwarz, sehr runzlige Oberfläche
Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung
Kleinbauern und Kooperativen in Südsumatra
Der Lampong-Pfeffer wird überwiegend von Kleinbauern in traditionellen Agroforstsystemen angebaut. Kooperativen ermöglichen bessere Preise gegenüber großen Exporteuren. Zu den Herausforderungen gehören der Klimawandel und die Anforderungen an pestizidfreie Lieferketten für den EU-Export.
Anbausystem
Kleinbauern
Traditionelle Agroforstsysteme
Kooperativen
Bessere Preise
Gegen Großexporteure
Herausforderungen
Klimawandel
Pestizidfreie EU-Lieferketten
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