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Pfefferkorn-Profil · Wildsammlung

Voatsiperifery-Pfeffer

Piper borbonense (Miq.) C. DC.

Die wilde Urwald-Essenz Madagaskars – eines der exklusivsten Gewürze der Welt. Wildgesammelt in den Baumkronen des Regenwaldes, mit einem einzigartigen zitrus-harzigen Aromaprofil und kaum wahrnehmbarer Schärfe.

Botanische Identität

Eigenständige Wildart aus der Gattung Piper

Voatsiperifery gehört zur Gattung Piper und ist eine eigenständige Wildart, die sich morphologisch deutlich vom klassischen schwarzen Pfeffer (Piper nigrum) unterscheidet. Der Name leitet sich aus dem Malagasy ab: „voa" (Frucht) und „tsiperifery" (Name der Pflanze). Die Beeren sind kleiner als bei Piper nigrum und besitzen ein charakteristisches kleines Stielchen – ein „Schwanz", weshalb Voatsiperifery auch als Tailed Pepper (Stiel-Pfeffer) bekannt ist. Die Pflanze wächst als Kletterliane und erreicht Höhen von bis zu 20 Metern.

Handelsname

Voatsiperifery

Madagascar Wild Pepper

Botanischer Name

Piper borbonense

(Miq.) C. DC. · Piperaceae

Wuchsform

Kletterliane (bis 20 m)

Wild im Regenwald-Blätterdach

Kategorie

Echter Pfeffer (Wildform)

Syn.: Bourbon-Pfeffer

Fruchttyp

Kleine, ovale Beere

Mit charakteristischem Stielchen

Verwendeter Teil

Ganze Beere mit „Schwanz"

Tailed Pepper

100 % Wildsammlung – kein Plantagenanbau

Im Gegensatz zu allen kultivierten Pfeffersorten wächst Voatsiperifery ausschließlich wild in den Baumkronen der madagassischen Regenwälder. Es gibt keinen systematischen Anbau, da die komplexe Biologie der Pflanze eine Kultivierung bisher verhindert hat. Die Beeren werden von Sammlern in schwindelerregenden Höhen geerntet.

Voatsiperifery Wildpfeffer aus Madagaskar
Voatsiperifery – der seltene Wildpfeffer Madagaskars mit dem charakteristischen langen Stiel an jeder Beere. Bild: KI generiert.

Herkunft, Terroir & Anbau

Endemisch in Madagaskars Regenwäldern

Das Terroir von Voatsiperifery ist auf die tropischen Regenwälder Ost-Madagaskars beschränkt – von Vatomandry bis Tolagnaro. Die Pflanze ist endemisch und kommt nur in intaktem Primärregenwald vor, wo sie die Biodiversität des Urwalds für gute Erträge benötigt. Es gibt keinen systematischen Anbau – die Ernte erfolgt zu 100 % als Wildsammlung ohne Pestizide. Die Sammler klettern in Höhen von bis zu 20 Metern in das Blätterdach, was die Ernte zu einer der gefährlichsten der Gewürzwelt macht.

Terroir-ParameterSpezifikationAuswirkung auf das Profil
GeographieOst-Madagaskar (Vatomandry bis Tolagnaro)Endemisches Verbreitungsgebiet
HabitatPrimärregenwald, hohe LuftfeuchtigkeitGewährleistet Aromavielfalt
HöhenlageKüste bis ZentralhochlandBeeinflusst Terpen-Zusammensetzung
Anbaumethode100 % WildsammlungKeine Pestizide, kein Dünger
ErntesaisonOktober bis DezemberErnte bei orange-roter Reife

Region

Ost-Madagaskar

Endemisch, Vatomandry–Tolagnaro

Habitat

Primärregenwald

Tropisch, hohe Luftfeuchtigkeit

Anbau

100 % Wildsammlung

Kein Plantagenanbau möglich

Erntesaison

Oktober – Dezember

Ernte bei orange-roter Reife

Regenwald auf Madagaskar
Die Regenwälder Ostmadagaskars – einzigartiges Ökosystem und Heimat des wild wachsenden Voatsiperifery. Bild: KI generiert.

Ernte & Verarbeitung

Archaische Methoden am Rand des Urwalds

Die Verarbeitung erfolgt unter archaischen Bedingungen am Waldrand oder in Dorfkooperativen. Die Sammler klettern in das Blätterdach des Regenwaldes, um reife (rot-orange) Beeren manuell zu pflücken – eine gefährliche Arbeit in bis zu 20 Metern Höhe. Aus der Ernte entstehen drei Varianten: Schwarz (intensivste Aromaqualität), Rot (komplex-süßlich) und der seltene Weiße (geschält, sehr fein).

PhaseDetailsZiel
ErnteManuelle Wildsammlung im BlätterdachSelektion reifer (rot-oranger) Beeren
VorbereitungHandsortierung und ReinigungEntfernung von Fremdkörpern
TrocknungTraditionelle SonnentrocknungKonservierung, Farbwechsel (Ocker/Schwarz)
KlassifizierungSelektion nach Farbe (Schwarz/Rot/Weiß)Bestimmung der Geschmacksintensität

Die gefährlichste Pfefferernte der Welt

Die Sammler klettern ohne Sicherungsausrüstung in das Blätterdach des Regenwaldes – in Höhen von bis zu 20 Metern. Die Arbeit ist nicht nur körperlich extrem anspruchsvoll, sondern auch lebensgefährlich. Diese Realität spiegelt sich im hohen Preis des Gewürzes wider und unterstreicht die Notwendigkeit fairer Handelsbeziehungen.

Wildsammlung von Voatsiperifery im Regenwald
Nachhaltige Wildsammlung – die Lianen klettern hoch in die Baumkronen des madagassischen Regenwalds. Bild: KI generiert.

Chemische Zusammensetzung

Das „Aroma-Monster" mit minimaler Schärfe

Voatsiperifery ist ein wahres „Aroma-Monster" mit extrem niedriger Pungenz. Der Piperin-Gehalt liegt bei nur ca. 0,2 % – im Vergleich zu 4,0–6,0 % bei Standard-Pfeffer. Dafür erreicht der Gehalt an ätherischem Öl einen außergewöhnlichen Wert von bis zu 9,8 %. Das dominierende Terpen ist δ-3-Caren (ca. 40,9 %), das für die holzig-harzige Basisnote verantwortlich ist. Ein entscheidender Marker ist Asaricin (ca. 13 %), das Voatsiperifery klar von Piper nigrum unterscheidet (dort unter 1 %).

Piperin-Gehalt

Ca. 0,2 %

Kaum Schärfe – reines Aromagerüst

Ätherisches Öl

Bis zu 9,8 %

Extrem hoch, Aroma-dominiert

Leitterpen

δ-3-Caren (40,9 %)

Holzig, harzig, süßlich

Terpen-Zusammensetzung

Anteil der wichtigsten Terpene am ätherischen Öl – bewege die Maus über die Balken für Aroma-Details

δ-3-Caren3541 %

Aroma: Holzig, harzig, süßlich

Limonen1216 %

Aroma: Zitrusartig, frisch, spritzig

Asaricin1013 %

Aroma: Spezifischer Marker – unterscheidet von P. nigrum

α-Pinen912 %

Aroma: Kiefernadel, frisch, balsamisch

β-Caryophyllen37 %

Aroma: Holzig, würzig, pfeffrig

Ätherisches Öl – Hauptkomponenten

VerbindungAnteil (%)Sensorischer Charakter
δ-3-Caren~40,9 %Holzig, harzig, süßlich
Limonen~15,9 %Zitrusartig, frisch, spritzig
Asaricin~13,0 %Spezifischer Marker – bei P. nigrum unter 1 %
α-Pinen~12,2 %Kiefernadel, frisch, balsamisch
Asaricin ist ein Phenylpropanoid, das in Voatsiperifery in einer Konzentration von ca. 13 % vorkommt – bei Standard-Pfeffer (Piper nigrum) liegt der Gehalt unter 1 %. Damit ist Asaricin ein eindeutiger chemischer Marker, der eine Verfälschung mit billigerem Pfeffer analytisch nachweisbar macht. In Kombination mit dem extrem hohen δ-3-Caren-Gehalt ergibt sich ein unverwechselbares GC-MS-Fingerprinting. Eine bahnbrechende Studie von Brunschwig et al. (2025, ACS JAFC) identifizierte mittels LC-MS²-Molecular-Networking insgesamt 40 Verbindungen – darunter 2 bisher unbekannte Naturstoffe. Die Marker-Monoterpene Sabinen, β-Thujen, p-Cymol und α-Pinen wurden als Authentifizierungsmarker definiert.

Sensorisches Profil

Eine olfaktorische Reise in den Urwald

Das sensorische Erlebnis von Voatsiperifery ist eine olfaktorische Reise in den Urwald. In der Nase öffnen sich zunächst helle Zitrusnoten und Anklänge von Lavendel, gefolgt von tiefem Waldboden, Harz und einer Spur Menthol oder Weihrauch. Am Gaumen dominieren warm-holzige Noten mit Muskatnuss-Nuancen und einer sehr feinen Säure. Die Schärfe ist äußerst subtil (Stufe 4/10) – der Pfeffer wärmt den Gaumen, statt ihn zu brennen. Das Finish ist langanhaltend süßlich-würzig mit einer fast kampferartigen Frische.

Aroma-Radar

ZitrusHolzigHarzigBlumigFruchtigWürzigErdigMentholisch

Schärfe-Intensität

4/ 10Mild
TypSehr subtile Wärme
EinsatzSanfter Aufbau (kaum spürbar)
DauerLanganhaltend süßlich-würzig
SinnesebeneCharakteristikBesonderheit
Aroma (Nase)Zitrus, Lavendel, Waldboden, HarzSpur von Menthol und Weihrauch
Geschmack (Gaumen)Warm-holzig, Muskatnuss, feine SäureWärmt statt zu brennen
SchärfeSehr subtil (4/10)Piperin nur 0,2 % – reines Aroma
FinishLanganhaltend süßlich-würzigFast kampferartige Frische

Kulinarische Verwendung

Präzisionsinstrument für Gourmets

Voatsiperifery ist ein Präzisionsinstrument für Gourmets – es sollte nicht lange mitgekocht werden, da die komplexen Terpene hitzeempfindlich sind. Erst kurz vor dem Servieren frisch gemahlen oder im Mörser leicht angedrückt über das Gericht geben. Die fehlende Schärfe erlaubt es, den Pfeffer großzügiger zu dosieren als klassischen schwarzen Pfeffer und rein als Aromaspender einzusetzen.

Wild & kräftiges Fleisch

Exzellent zu Hirsch, Wildschwein und kräftigem Rindfleisch. Die holzig-harzigen Noten ergänzen die erdigen Aromen von Wild perfekt – als Finisher direkt vor dem Servieren über das Fleisch mahlen.

Jakobsmuscheln & weißer Fisch

Perfekt für Jakobsmuscheln und weißen Fisch – oft kombiniert mit Kokosmilch. Die subtile Wärme und die Zitrusnoten ergänzen die Süße von Meeresfrüchten, ohne sie zu überdecken.

Gemüse & Kartoffeln

Verwandelt einfache Kartoffelgerichte oder Ratatouille in Delikatessen. Die komplexe Aromatik hebt Gemüsegerichte auf ein neues Niveau – besonders wirkungsvoll bei geröstetem Wurzelgemüse.

Desserts & Schokolade

Die „magische Kombination" mit Schokolade, Erdbeeren oder exotischen Früchten wie Melone. Die fast fehlende Schärfe erlaubt den Einsatz in Desserts, wo klassischer Pfeffer zu dominant wäre.

Die komplexen Terpene von Voatsiperifery (besonders δ-3-Caren und Limonen) sind hitzeempfindlich und verflüchtigen sich bei langem Kochen. Für das volle Aroma: Körner erst unmittelbar vor dem Servieren im Mörser leicht andrücken oder in einer hochwertigen Mühle frisch mahlen. Bei Saucen den Pfeffer erst nach dem Abkühlen auf unter 60 °C einrühren. So bleibt das charakteristische Urwald-Bouquet erhalten.
Entenbrust mit Voatsiperifery-Pfeffersauce
Zartrosa gebratene Entenbrust mit Voatsiperifery-Sauce – die waldigen, fruchtigen Noten ergänzen Wildfleisch perfekt. Bild: KI generiert.

Food Pairing & Getränke

Terpen-Synergien mit Vanille, Schokolade und Tonka

Das wissenschaftliche Food Pairing von Voatsiperifery nutzt Terpen-Synergien mit aromatisch verwandten Zutaten. Die Pinen/Limonen-Brücke verbindet ihn mit Bourbon-Vanille, die holzig-harzigen Noten schaffen eine natürliche Affinität zu Tonkabohne, und die komplexe Bitter-Süße harmoniert exzellent mit dunkler Schokolade. In Bars wird Voatsiperifery zunehmend für Gin-Infusionen oder als „Kick" in Champagner-Aperitifs eingesetzt.

PartnerAromabrückeAnwendung
Vanille (Bourbon)Pinen/Limonen-SynergieKürbiscremesuppe mit Vanille
SchokoladeKomplementäre Bitter-SüßeVoatsiperifery-Trüffel
TonkabohneWaldaroma-BrückeMarinaden für rotes Fleisch
KardamomFlorale ErgänzungExotische Gewürzmischungen

Gin-Infusion

Einige Voatsiperifery-Körner in Gin infundieren – die Pinen-Wacholder-Brücke erzeugt ein komplexes, waldiges Bouquet. Perfekt für einen exotischen G&T mit Zitronenzeste.

Champagner-Aperitif

Ein bis zwei leicht angedrückte Körner im Champagnerglas setzen subtile Zitrus-Holz-Noten frei. Ein überraschender „Kick" für festliche Anlässe.

Vanille-Kombination

Die madagassische Herkunfts-Brücke: Voatsiperifery + Bourbon-Vanille aus derselben Insel. In Kürbiscremesuppe oder Panna Cotta entsteht ein exotisches Aromaduo.

Gesundheit & Pharmakologie

Madagassische Volksmedizin seit Jahrhunderten

In der madagassischen Volksmedizin wird Voatsiperifery seit Jahrhunderten als Tonikum eingesetzt. Der Name „tsiperifery" bedeutet wörtlich „das, was Wunden nicht existieren lässt" – ein Hinweis auf die traditionelle Nutzung bei Wundheilung, Zahnverfall, Diabetes und Malaria. Moderne Forschung bestätigt: Das ätherische Öl zeigt starke antioxidative Aktivität (DPPH IC₅₀ = 18 µg/mL) und antibakterielle Wirkung gegen S. aureus (MIC = 0,5 mg/mL) und E. coli (MIC = 1,2 mg/mL). Die Piperamid-Fraktion – insbesondere Piperylin (24–29 mg/g) – zeigt potenzielle immunmodulatorische Eigenschaften.

WirkungMechanismusEvidenzlevel
VerdauungsförderndStimulation der MagensaftproduktionEthnopharmakologisch
AntioxidativDPPH IC₅₀ = 18 µg/mL, ABTS-RadikalfängerIn-vitro belegt (2025)
AntibakteriellMIC: S. aureus 0,5 mg/mL, E. coli 1,2 mg/mLIn-vitro belegt (2025)
ImmunmodulatorischPiperylin 24–29 mg/g, PhenolfraktionIn-vitro (Soidrou 2013)
BlähungswidrigKarminative WirkungEthnopharmakologisch
Für die Betsileo und Tanala – ethnische Gruppen in Madagaskar – ist Voatsiperifery weit mehr als ein Gewürz. Der Name „tsiperifery" bedeutet „das, was Wunden nicht existieren lässt" – ein Hinweis auf die Jahrhunderte alte Nutzung bei Wundheilung und Zahnverfall. Moderne Studien (Manzano Durán et al. 2025) bestätigen: Das ätherische Öl wirkt stark antioxidativ (DPPH IC₅₀ = 18 µg/mL) und antibakteriell gegen grampositive und gramnegative Keime. Die immunmodulatorische Wirkung der Phenolfraktion wurde von Soidrou et al. (2013) in vitro belegt. Piperylin – ein Piperamid mit 24–29 mg/g – könnte als Bioenhancer fungieren, ähnlich dem Piperin in schwarzem Pfeffer.

Qualitätsmerkmale

Reinheit als wichtigstes Kriterium

Da Voatsiperifery teuer ist, ist Reinheit das wichtigste Kriterium beim Kauf. Die Beeren sollten einen glänzenden, tiefbraunen bis schwarzen Farbton mit den charakteristischen kleinen Stielchen aufweisen. Keine Fragmente oder sandige Rückstände sollten in der Verpackung zu finden sein. Der entscheidende Duft-Check: Beim Öffnen muss eine explosive, frische Wald-Zitrus-Wolke entweichen – staubige Noten deuten auf Alterung hin.

KriteriumHohe QualitätMinderwertig / Fälschung
OptikGlänzend, tiefbraun/schwarz, mit StielchenStumpf, fragmentiert, ohne Stiele
IntegritätGanze Beeren, keine sandigen RückständeBruchstücke, Verunreinigungen
Duft-CheckExplosive Wald-Zitrus-Wolke beim ÖffnenStaubig, flach, kaum Duft

Optik

Glänzend, mit Stielchen

Tiefbraun bis schwarz

Duft-Check

Wald-Zitrus-Explosion

Beim Öffnen sofort wahrnehmbar

Herkunft

Madagaskar (Ostküste)

100 % Wildsammlung nachweisbar

Lagerung & Haltbarkeit

Verliert gemahlen binnen Minuten seine Seele

Wie alle Urwald-Gewürze verliert Voatsiperifery gemahlen binnen Minuten seine Seele. Die extrem hohe Konzentration an ätherischem Öl (bis 9,8 %) macht ihn besonders empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Sauerstoff. Immer als ganzes Korn kaufen und erst bei Bedarf im Mörser zerdrücken. Opake Gläser sind Pflicht, da Licht die komplexen Terpene zerstört. Bei kühler, luftdichter Lagerung behalten ganze Körner ihre Qualität für ca. 24–36 Monate.

Ganze Körner

24–36 Monate

Bei optimaler Lagerung

Lagerform

Immer ganz kaufen

Gemahlen: Aroma verflüchtigt in Minuten

Lichtschutz

Opake Gläser Pflicht

Licht zerstört komplexe Terpene

Haltbarkeits-Rechner

Geschätzte optimale Haltbarkeit

48 Monate

Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas

Mit einem ätherischen Ölgehalt von bis zu 9,8 % (zum Vergleich: Standard-Pfeffer hat 2–3 %) ist Voatsiperifery extrem aromareich – aber auch extrem flüchtig. Das dominante Terpen δ-3-Caren hat einen relativ niedrigen Siedepunkt und verflüchtigt sich schnell bei Kontakt mit Luft und Wärme. Gemahlen vergrößert sich die Oberfläche dramatisch, was den Terpenverlust beschleunigt. Deshalb gilt: Immer ganze Körner kaufen, dunkel und kühl lagern, und erst Sekunden vor dem Einsatz zerdrücken.

Geschichte & Kultur

Tief verwurzelt im Leben der Betsileo und Tanala

Für die Betsileo und Tanala – ethnische Gruppen in Madagaskar – ist Voatsiperifery tief im Alltag verwurzelt. Er dient nicht nur zum Würzen und Konservieren von Fleisch, sondern auch als rituelles Opfer für Schutz und Fruchtbarkeit. Während der Kolonialzeit wurde er im Schatten der lukrativeren Vanille- und Gewürznelkenexporte lange übersehen. Erst nach der „Gewürz-Renaissance" ab 2010 wurde Voatsiperifery zum Symbol für madagassisches Terroir und eroberte die internationale Sterneküche.

EpocheEreignisBedeutung
TraditionRituelle Nutzung bei Betsileo & TanalaSchutz, Fruchtbarkeit, Konservierung
KolonialzeitIm Schatten von Vanille und NelkenKaum beachtet, lokal gehandelt
Ab 2010„Gewürz-Renaissance" und Gourmet-EntdeckungSymbol für madagassisches Terroir
HeuteInternationale SternekücheEines der exklusivsten Gewürze weltweit

Rituelles Gewürz der Betsileo

Bei den Betsileo wird Voatsiperifery als rituelles Opfer dargebracht – ein Zeichen für den tiefen Respekt vor der Natur. Die Beeren werden bei Zeremonien für Schutz und Fruchtbarkeit verwendet, neben ihrer alltäglichen Funktion zum Würzen und Konservieren von Fleisch. Diese kulturelle Verwurzelung macht den Schutz der Wildpopulationen nicht nur ökologisch, sondern auch kulturell bedeutsam.

Markt, Handel & Wirtschaft

Winzige Produktion, extreme Preise

Die globale Produktion von Voatsiperifery ist winzig und schwankt stark je nach Wetterbedingungen. Geschätzt werden jährlich nur 1.500 bis 2.000 kg weltweit geerntet. Der Einzelhandelspreis liegt bei 140–200 EUR pro kg – damit ist Voatsiperifery einer der teuersten Pfeffer der Welt. Ein strukturelles Problem: Der meiste Profit verbleibt bei Zwischenhändlern (Sammlern), während die Erntearbeiter am Anfang der Kette am wenigsten profitieren.

Produktion

1.500–2.000 kg/Jahr

Weltweit, stark schwankend

Einzelhandelspreis

140–200 EUR/kg

Einer der teuersten Pfeffer weltweit

Erntesaison

Oktober – Dezember

Wildsammlung in Regenzeit

Drei Faktoren erklären den extremen Preis: Erstens die ausschließliche Wildsammlung – es gibt keinen Plantagenanbau, die Beeren müssen in 20 Metern Höhe im Regenwald geerntet werden. Zweitens die winzige Produktionsmenge von nur 1.500–2.000 kg weltweit pro Jahr, was ihn zu einem der seltensten Gewürze macht. Drittens die schwankenden Erträge – Wetterbedingungen, Zustand des Regenwaldes und Verfügbarkeit erfahrener Sammler bestimmen die Menge. Hinzu kommt eine komplexe Lieferkette mit mehreren Zwischenhändlern.

Verwechslungsgefahr & Verfälschungen

Kubebenpfeffer als häufigste Verwechslung

Voatsiperifery wird aufgrund des Stielchens häufig mit Kubebenpfeffer (Piper cubeba) verwechselt. Brunschwig et al. (2021) entwickelten eine dreistufige Authentifizierungsmethode: morphologisch (Voatsiperifery-Beeren sind kleiner und ovaler), genetisch (ITS- und psbJ-petA-Sequenzierung) und chemisch (Asaricin-Gehalt > 10 % vs. < 1 % bei P. nigrum). Der einfachste Verbrauchertest: Kauen. Schmeckt es nach Eukalyptusbonbon (menthol-kühlend), ist es Kubebe – schmeckt es nach „Zitruswald" (frisch-zitrisch, holzig, warm), ist es echtes Voatsiperifery.

KriteriumVoatsiperiferyKubebenpfeffer
GrößeDeutlich kleinerGrößer und robuster
FormOval / länglichRund
GeschmackFloral, zitrusartig, waldigMenthol-betont, bitter
SchärfeMild, wärmendDeutlich prickelnd
Asaricin-Marker~13 % (Authentizitätsnachweis)< 1 % (kein Marker)

Der Kautest: Eukalyptus oder Zitruswald?

Der einfachste Echtheitsttest: Ein Korn zerkauen. Schmeckt es wie Eukalyptusbonbon (menthol-kühlend, bitter), handelt es sich um Kubebenpfeffer. Schmeckt es wie ein „Zitruswald" (frisch-zitrisch, holzig, warm), ist es echtes Voatsiperifery. Dieser sensorische Test ist auch ohne analytische Ausrüstung zuverlässig.

Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung

Bedrohte Wildpopulationen und Domestizierungsprogramme

Die Zukunft von Voatsiperifery ist bedroht. Ungeschulte Sammler fällen häufig ganze Lianen oder sogar Wirtsbäume, um an die Beeren zu gelangen. Mit steigender Nachfrage könnten die Wildpopulationen kollabieren. Domestizierungsprogramme wie die des französischen Forschungszentrums CIRAD lehren Bauern, Lianen im Unterholz anzupflanzen und nachhaltig zu ernten. Käufer sollten gezielt Anbieter wählen, die „Wild Harvest Monitoring" praktizieren und faire Preise an lokale Sammlergruppen zahlen.

Ökologische Gefahr

Wildpopulationen könnten bei steigender Nachfrage kollabieren. Ungeschulte Sammler fällen oft ganze Lianen oder Wirtsbäume – zerstörerische Erntemethoden, die den Regenwald schädigen und die langfristige Verfügbarkeit des Gewürzes gefährden.

CIRAD-Domestizierungsprogramm

Das französische Forschungszentrum CIRAD lehrt madagassische Bauern, Voatsiperifery-Lianen im Unterholz anzupflanzen und nachhaltig zu ernten. Ziel ist es, die Wildpopulationen zu entlasten und gleichzeitig eine verlässliche Einkommensquelle für lokale Gemeinschaften zu schaffen.

Status

Bedrohte Wildpopulation

Steigende Nachfrage, destruktive Ernte

Lösung

CIRAD-Domestizierung

Anbau im Unterholz, nachhaltige Ernte

Einkaufsethik

Wild Harvest Monitoring

Faire Preise an Sammlergruppen

Quellenverzeichnis

  • 1.Brunschwig, C. et al. (2025): „Analytically Unsupervised Metabolomic Profile of the Premium Malgasy Pepper Voatsipérifery (Piper borbonense): Identification of Marker Components." J. Agric. Food Chem. 73(26). – 40 Verbindungen isoliert, 2 neue Naturstoffe, LC-MS²-Molecular-Networking, Marker-Monoterpene (Sabinen, β-Thujen, p-Cymol, α-Pinen).
  • 2.Manzano Durán, R. et al. (2025): „Chemical Composition, Antioxidant, and Antibacterial Activities of Piper borbonense Essential Oil." J. Med. Active Plants 14(1). – Piperylin 24,23–29,29 mg/g, DPPH-ABTS-Radikalfänger, antibakteriell gegen E. coli und B. subtilis.
  • 3.Brunschwig, C. et al. (2021): „Authenticating wild Piper species originating from islands in the Indian Ocean." Phytochemistry. – Morphologische, genetische (ITS, psbJ-petA) und chemische Authentifizierung, Chemotyp-Variationen, ÄO 11,33–14,43 %.
  • 4.Ratsimbazafy, H. et al. (2016): „Impact of blanching, sweating and drying operations on pungency, aroma and color of Piper borbonense." Food Chem. 219:274-281. – p-Cymol +89 % durch Wet Process, Safrol −33 %, Piperin/ÄO-Gehalt stabil nach Verarbeitung.
  • 5.Soidrou, S.H. et al. (2013): „Immunomodulatory and antioxidant activities of phenolic fraction from Piper borbonense." Nat. Prod. Commun. 8(12):1799-1802. – Immunmodulatorische Wirkung der Phenolfraktion.
  • 6.FAO (2024): „Non-Wood Forest Products and Wild Harvesting in Madagascar." – Nachhaltige Wildsammlung, ökonomische Bedeutung für lokale Gemeinschaften, Marktströme.

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