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Pfefferkorn-Profil · GI Nr. 127

Tellicherry-Pfeffer

Piper nigrum L.

Das „Schwarze Gold" der Malabarküste – eine echte Spätlese unter den Pfefferkörnern. Die höchste Qualitätsstufe des schwarzen Pfeffers, selektiert nach Korngröße, mit einem nussig-fruchtigen Aroma und tiefer, langanhaltender Wärme.

Botanische Identität

Taxonomische Einordnung und Selektionsklasse

Tellicherry ist keine eigenständige botanische Art, sondern eine Selektionsklasse der Spezies Piper nigrum. Der Name bezeichnet Pfefferkörner, die durch verlängerte Reife am Strauch und strenge Größensortierung die höchste Qualitätsstufe des schwarzen Pfeffers erreichen. Nur etwa 10 % einer Ernte erfüllen die strengen Kriterien für die Klassifizierung als Tellicherry Garbled Special Extra Bold (TGSEB). Die Pflanze wächst als holzige Kletterliane und kann Höhen von bis zu 10 Metern erreichen.

Handelsname

Tellicherry-Pfeffer

Thalassery Pepper, Malabar Pepper

Botanischer Name

Piper nigrum L.

Familie: Piperaceae

Wuchsform

Holzige Kletterliane

Bis 10 m Höhe

Kategorie

Echter Pfeffer

Selektionsgrad (Premium)

Fruchttyp

Steinfrucht

Ganze Frucht mit Perikarp

Hauptsorten

Karimunda, Panniyur-5

Lokale Kultivare aus Kerala

Nur 10 % schaffen es zu TGSEB

Die Klassifizierung als Tellicherry Garbled Special Extra Bold (TGSEB) ist die Krönung der Pfefferqualität. Die Körner müssen einen Mindestdurchmesser von 4,75 mm aufweisen – das Ergebnis einer verlängerten Reife und strenger Siebung. Diese Elite-Selektion macht Tellicherry-Pfeffer zum „Schwarzen Gold" der Gewürzwelt.

Tellicherry-Pfefferkörner in Übergröße
Tellicherry-Pfefferkörner – nur die größten Körner (ab 4,75 mm) erhalten die begehrte Tellicherry-Klassifizierung. Bild: KI generiert.

Herkunft, Terroir & Anbau

Kerala: Genetischer Ursprung des Pfeffers

Das Terroir der Malabarküste gilt als der genetische Ursprung des Pfeffers. Die Region rund um die historische Hafenstadt Thalassery (ehemals Tellicherry) im indischen Bundesstaat Kerala bietet ideale Bedingungen: rote Lateritböden, Höhenlagen bis 1.500 m ü. NN und tropisch-feuchtes Klima mit Monsunregen. Die Pfefferpflanzen wachsen traditionell in Mischkulturen („Spice Gardens") zusammen mit Kokospalmen, Kaffee oder Kakao, was ihnen natürlichen Schatten bietet und das Bodenökosystem stabilisiert.

Terroir-ParameterSpezifikationAuswirkung auf das Profil
GeographieKerala, Indien (Malabarküste)Authentische Ursprungsregion
HöhenlageBis zu 1.500 m ü. NNFördert Terpenkonzentration
BodentypRote LateritbödenMineralischer Nährboden
KlimaTropisch-feucht, MonsunregenIdeale Reifebedingungen
SchutzstatusGI (Geographical Indication)Registrierung Nr. 127 in Indien

Region

Thalassery, Kerala

Malabarküste, Südindien

Höhenlage

Bis 1.500 m ü. NN

Fördert Terpenkonzentration

Bodentyp

Rote Lateritböden

Mineralischer Nährboden

GI-Schutz

Registrierung Nr. 127

Geographical Indication, Indien

Malabarküste in Kerala, Indien
Die Malabarküste Keralas – Heimat des Pfeffers seit Jahrtausenden und Ursprung der Tellicherry-Qualität. Bild: KI generiert.

Ernte & Verarbeitung

Die Spätlese – der entscheidende Unterschied

Der entscheidende Unterschied zu Standardqualitäten liegt im Erntezeitpunkt und der Sortierung. Während gewöhnlicher schwarzer Pfeffer oft unreif geerntet wird, ist Tellicherry eine echte „Spätlese": Die Beeren bleiben 9–10 Monate nach der Blüte an der Rebe, bis sie eine rot-orange Färbung aufweisen. Dieser verlängerte Reifeprozess führt zu außergewöhnlich großen Körnern (4,25–4,75 mm+) und einer Konzentration von ätherischen Ölen, die ein komplexes Aromaprofil erzeugt.

PhaseDetailsZiel
ErnteSpätlese (9–10 Monate nach Blüte)Maximale Korngröße & Reife
VorbehandlungBlanchieren (Heißwasserbad)Aktivierung von Oxidationsenzymen
TrocknungTraditionelle SonnentrocknungFermentation zum schwarzen Korn
GraduierungSiebung nach DurchmesserSelektion der „Extra Bold" Körner

Die Farbe verrät die Qualität

Die dunkle, rotbraune bis tiefschwarze Farbe von Tellicherry-Pfeffer entsteht durch enzymatische Bräunung während der Trocknung. Im Gegensatz zu schnell getrocknetem Standardpfeffer, der oft gräulich wirkt, zeigt echtes Tellicherry tiefe, warme Farbtöne. Das Innere des Korns behält einen hohen Stärkeanteil, was zur vollmundigen Textur beiträgt.

Sortierung von Pfefferkörnern nach Größe
Größensortierung im Gewürzlager – nur die größten, vollreif geernteten Körner werden als Tellicherry klassifiziert. Bild: KI generiert.

Chemische Zusammensetzung

Überdurchschnittliches Wirkstoffprofil

Tellicherry-Pfeffer zeichnet sich durch ein überdurchschnittliches Wirkstoffprofil aus. Der Piperin-Gehalt liegt bei 4,5 % bis 5,5 % (ICAR-verifiziert) – signifikant höher als bei Standardqualitäten (ca. 2,5–3,8 %). Das ätherische Öl erreicht einen Gesamtgehalt von ≥ 2,0 ml/100 g. Das Schlüssel-Sesquiterpen Rotundon ist für die charakteristische „Pfeffernote" verantwortlich und ist bereits in Konzentrationen von 8 ng/L wahrnehmbar.

Hauptwirkstoff

Piperin (4,5–5,5 %)

ICAR-verifiziert, höher als Standard

Ätherisches Öl

≥ 2,0 ml/100 g

Rotundon als Schlüsselverbindung

Leitterpen

β-Caryophyllen (12–29 %)

Holzig, würzig – auch CB2-Agonist

Terpen-Zusammensetzung

Anteil der wichtigsten Terpene am ätherischen Öl – bewege die Maus über die Balken für Aroma-Details

β-Caryophyllen1229 %

Aroma: Holzig, würzig, pfeffrig

Limonen1017 %

Aroma: Zitrusartig, frisch, spritzig

Sabinen615 %

Aroma: Pfeffrig, harzig, holzig

α-Pinen38 %

Aroma: Kiefernartig, frisch, balsamisch

Rotundon0.050.3 %

Aroma: „Schwarze Pfeffernote" – extrem niedrige Schwelle

Ätherisches Öl – Hauptkomponenten

VerbindungAnteil (%)Sensorischer Charakter
β-Caryophyllen12–29 %Holzig, würzig
Limonen10–17 %Zitrusartig, frisch
Sabinen6–15 %Pfeffrig, harzig
α-Pinen3–8 %Kiefernartig, balsamisch
Die verlängerte Reifezeit am Strauch ermöglicht eine stärkere Akkumulation von Piperin und ätherischen Ölen im Korn. Standardpfeffer wird häufig unreif geerntet, wenn der Piperin-Gehalt erst bei 2,5–3,8 % liegt. Tellicherry-Beeren verbleiben 9–10 Monate an der Rebe und erreichen so Werte von 4,5–5,5 %. Gleichzeitig führt das größere Kornvolumen zu einem günstigeren Verhältnis von Öl-Reservoir zu Oberfläche, was den Aromaverlust nach der Trocknung minimiert.

Sensorisches Profil

Nussig-fruchtig mit tiefer Wärme

Die Sensorik von Tellicherry-Pfeffer ist geprägt von der hohen Konzentration an ätherischen Ölen durch das größere Volumen-Oberflächen-Verhältnis der Beeren. Das Aroma ist warm und nussig, begleitet von feinen Zitrus- und Piniennoten sowie Anklängen von Tee oder Sandelholz. Im Mund ist der Geschmack vollmundig und rund – die Schärfe ist prägnant, aber weniger „beißend" als bei kleineren Körnern. Der Schärfe-Onset ist langsam und erreicht den Peak nach ca. 45 Sekunden.

Aroma-Radar

ScharfNussigHolzigZitrusWürzigFruchtigErdigKiefern

Schärfe-Intensität

8/ 10Scharf
TypTiefe Piperin-Wärme
EinsatzLangsamer Aufbau (~45 s)
DauerLanganhaltend (15–25 min)
SinnesebeneCharakteristikBesonderheit
Aroma (Nase)Warme Würze, nussig, Zitrus & PinienAnklänge von Tee und Sandelholz
Geschmack (Gaumen)Vollmundig, rund, nicht beißendDurch großes Korn weniger aggressiv
Schärfe-OnsetLangsamer Aufbau, Peak bei ~45 sLanganhaltende Wärme (15–25 min)
FrischetestZerdrücktes Korn: Zitrusnoten in 3 sSchneller Qualitätsindikator

Kulinarische Verwendung

Das Finishing-Gewürz der Spitzenküche

Tellicherry-Pfeffer ist das bevorzugte Finishing-Gewürz der Spitzenküche. Seine vollmundige Tiefe und das komplexe Aromaprofil machen ihn ideal für dunkles Fleisch, kräftige Saucen und Marinaden. Die große Korngröße eignet sich perfekt zum frischen Mahlen direkt über dem Gericht – so entfalten sich die ätherischen Öle unmittelbar. Die nussigen Noten ergänzen besonders gut karamellisierte und geröstete Aromen.

Dunkles Fleisch & Wild

Die tiefe, nussige Wärme von Tellicherry harmoniert perfekt mit Rinderfilet, Lamm und Wildbret. Grob gemörsert als Kruste oder frisch gemahlen als Finisher – die langanhaltende Schärfe begleitet jedes Fleischaroma.

Kräftige Saucen & Jus

In Demi-Glace, Rotweinjus oder Pfeffersaucen entwickelt Tellicherry eine tiefe aromatische Basis. Die hohe Ölkonzentration sorgt dafür, dass das Aroma auch bei längerer Garzeit erhalten bleibt.

Marinaden & Dry Rubs

Grob zerstoßener Tellicherry-Pfeffer in Marinaden bringt nussig-zitronige Tiefe in Grillfleisch. Als Dry Rub mit Meersalz und Kräutern entsteht eine aromatische Kruste mit komplexer Wärme.

Käse & Charcuterie

Auf Käseplatten mit gereiftem Comté, Pecorino oder Manchego setzt frisch gemahlener Tellicherry warme Akzente. Die nussigen Pfeffernoten ergänzen die Umami-Noten gereifter Käse perfekt.

Tellicherry-Pfeffer sollte ausschließlich als ganzes Korn gekauft und erst unmittelbar vor der Verwendung gemahlen werden. Die großen Körner (Ø ≥ 4,75 mm) benötigen ein robustes Mahlwerk – Keramik oder gehärteter Stahl sind ideal. Vorgemahlen verliert Tellicherry innerhalb weniger Wochen bis zu 40 % seiner ätherischen Öle und damit sein charakteristisches nussig-fruchtiges Aroma.
Lammkoteletts mit Tellicherry-Pfefferkruste
Lammkoteletts mit grob gecrushtem Tellicherry-Pfeffer – das volle, komplexe Aroma entfaltet sich bei mittlerer Hitze. Bild: KI generiert.

Food Pairing & Getränke

Rotundon und Terpene als aromatische Brücke

Das Food Pairing von Tellicherry-Pfeffer basiert auf der spezifischen Verbindung von Rotundon und Terpenen. Geteilte Aromaverbindungen schaffen Synergien mit Wacholder (Sabinen), Zitrusfrüchten (Limonen) und Lavendel (Linalool). Syrah/Shiraz ist der perfekte Weinpartner, da beide das Schlüsselaroma Rotundon teilen. Dunkle Edelschokoladen (70 %+) harmonieren exzellent mit Tellicherry, wobei die nussigen Pfeffernoten die Kakaostruktur stützen.

LeitverbindungPartnerAnwendung
RotundonSyrah/Shiraz, GrünkohlSteak mit pfeffrigem Rotwein
SabinenWacholder, MuskatGin & Tonic, Wildgerichte
LimonenZitrusfrüchte, HopfenMeeresfrüchte, IPA-Pairing
Piperin + CurcuminKurkuma, IngwerBioverfügbarkeit +2.000 %

Wein

Syrah/Shiraz ist der perfekte Partner dank geteiltem Rotundon. Ein kraftvoller Riesling harmoniert mit den Zitrusnoten, während Cabernet Sauvignon die holzigen Aspekte aufgreift.

Schokolade

Dunkle Edelschokoladen (70 %+) harmonieren exzellent mit Tellicherry. Die nussigen Pfeffernoten stützen die Kakaostruktur und erzeugen ein vielschichtiges Geschmackserlebnis.

Spirituosen

In Gin & Tonic betont Tellicherry die Sabinen-Wacholder-Brücke. Auch ein alter Cognac oder Whiskey profitiert von ein bis zwei leicht angedrückten Körnern als Aromaboost.

Gesundheit & Pharmakologie

Hohe Piperin-Konzentration für therapeutische Effekte

Tellicherry-Pfeffer nutzt die hohe Piperin-Konzentration für therapeutische Effekte. Die wichtigste Eigenschaft ist die Steigerung der Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen wie Curcumin um bis zu 2.000 % durch Hemmung von Leberenzymen (CYP3A4). Darüber hinaus stimuliert Piperin das „Agni" (Verdauungsfeuer) und fördert die Enzymsekretion. Weitere nachgewiesene Wirkungen sind antioxidativ (Radikalfänger), entzündungshemmend und stoffwechselanregend.

WirkungMechanismusEvidenzlevel
BioverfügbarkeitHemmung von CYP3A4 und intestinalen TransporternKlinisch belegt (Human)
VerdauungsförderndStimulation von Verdauungsenzymen (Agni)Klinisch belegt (Human)
AntioxidativRadikalfänger durch Phenole und FlavonoideLaborstudien (In-vitro)
Anti-inflammatorischEntzündungshemmung, blutdrucksenkendExperimentell / Tierstudien
StoffwechselanregendThermogenese, FettverbrennungExperimentell / Tierstudien
Piperin hemmt bestimmte Leberenzyme (insbesondere CYP3A4) und intestinale Transporter, die normalerweise Wirkstoffe abbauen oder deren Aufnahme verhindern. Dadurch gelangen mehr aktive Moleküle in den Blutkreislauf. Am bekanntesten ist die Wirkung auf Curcumin: Ohne Piperin wird Curcumin fast vollständig in der Leber abgebaut. Eine Prise Tellicherry-Pfeffer (oder 20 mg Piperin) steigert die Bioverfügbarkeit von Curcumin um bis zu 2.000 %. Der höhere Piperin-Gehalt von Tellicherry (4,5–5,5 %) macht ihn besonders effektiv als Bioverstärker.

Qualitätsmerkmale

Korngröße als entscheidendes Kriterium

Beim Kauf von Tellicherry-Pfeffer ist die Korngröße das entscheidende physikalische Kriterium. Die internationale Graduierung erfolgt nach Durchmesser – TGSEB (≥ 4,75 mm) ist die höchste Stufe mit dem intensivsten Aroma. Echte Ware sollte die GI-Zertifizierung Nr. 127 tragen und explizit „Thalassery, Kerala" als Ursprung nennen. Ohne diese Angaben besteht ein hohes Risiko, umdeklarierte Standardware zu erhalten.

Qualität / GradeDurchmesser (mm)Besonderheit
TGSEB≥ 4,75 mmHöchste Stufe, intensivstes Aroma
TGEB≥ 4,25 mmSehr hohe Qualität, ausgewogenes Profil
MG1≥ 3,75 mmMalabar Garbled 1, Standardexportware

GI-Zertifizierung

Nr. 127

Geographical Indication, Indien

Höchste Qualität

TGSEB ≥ 4,75 mm

Tellicherry Garbled Special Extra Bold

Herkunftsangabe

Thalassery, Kerala

Pflichtangabe auf echtem Tellicherry

Lagerung & Haltbarkeit

Schutz vor Oxidation und UV-Licht

Tellicherry ist aufgrund des hohen Ölgehalts besonders anfällig für Oxidation nach dem Mahlen. Ganze Körner halten 3–4 Jahre bei optimaler Lagerung; vakuumiert bis zu 5 Jahre. Opake oder bernsteinfarbene Glasbehälter sind Pflicht, um den Abbau von Piperin durch UV-Licht zu verhindern. Ein schneller Frischetest: Ein zerdrücktes Korn muss innerhalb von 3 Sekunden intensive Zitrusnoten freisetzen.

Ganze Körner

3–4 Jahre

Bei optimaler Lagerung

Vakuumiert

Bis zu 5 Jahre

Maximale Haltbarkeit

Lichtschutz

Opake/Bernstein-Gläser

UV-Licht baut Piperin ab

Haltbarkeits-Rechner

Geschätzte optimale Haltbarkeit

48 Monate

Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas

Zerdrücken Sie ein einzelnes Tellicherry-Korn zwischen Daumen und Zeigefinger. Frischer, hochwertiger Tellicherry-Pfeffer setzt innerhalb von 3 Sekunden intensive Zitrusnoten frei, gefolgt von warmen, nussigen Untertönen. Fehlen diese Zitrusnoten oder riecht das Korn flach und erdig, ist der Pfeffer entweder alt oder von minderer Qualität. Dieser einfache Test funktioniert am besten bei Raumtemperatur.

Geschichte & Kultur

2.000 Jahre Pfefferhandel an der Malabarküste

Thalassery war über Jahrhunderte das Epizentrum des globalen Pfefferhandels. Der Name „Tellicherry" ist die anglisierte Form von Thalassery, was übersetzt „Hauptsitz der Büros" bedeutet. Bereits vor 2.000 Jahren lieferten Phönizier und Araber Pfeffer von der Malabarküste nach Ägypten und Rom. In der Kolonialzeit baute die British East India Company 1708 das Tellicherry Fort, um das Monopol auf den Pfefferhandel in Nord-Malabar zu sichern.

EpocheEreignisBedeutung
AntikePhönizier & Araber handeln Malabar-PfefferPfeffer als „Schwarzes Gold" der Antike
1498Vasco da Gama erreicht CalicutBeginn des europäischen Direkthandels
1708Bau des Tellicherry FortBritish East India Company sichert Monopol
HeuteGI-Registrierung Nr. 127Geografischer Schutz der Herkunft

Der Name „Tellicherry"

„Tellicherry" ist die anglisierte Schreibweise des Malayalam-Wortes Thalassery, was übersetzt „Hauptsitz der Büros" bedeutet. Die Stadt war das administrative Zentrum des britischen Pfefferhandels in Nord-Malabar – und der Name wurde zum Synonym für die höchste Qualitätsstufe des schwarzen Pfeffers weltweit.

Markt, Handel & Wirtschaft

Ultra-Premium-Preiskategorie

Tellicherry-Pfeffer erzielt aufgrund der aufwendigen Selektion deutlich höhere Preise als Standardware. Die Preiskategorie ist Ultra-Premium, mit Marktpreisen 2025/26 zwischen 25 USD und 40 USD pro kg im Großhandel. Die Hauptexportmärkte sind Deutschland, USA und Frankreich, wobei der Trend zu sortenreinen Premium-Herkunften den Bedarf kontinuierlich steigert. Die Haupternte findet zwischen Oktober und Dezember statt.

Preiskategorie

Ultra-Premium

25–40 USD/kg (Großhandel 2025/26)

Hauptmärkte

DE, USA, Frankreich

Trend zu sortenreinen Herkünften

Erntesaison

Oktober – Dezember

Haupternte in Kerala

Drei Faktoren treiben den Preis: Erstens die Spätlese – die Beeren bleiben Monate länger an der Rebe, was Ernterisiken erhöht. Zweitens die strenge Selektion – nur ca. 10 % einer Ernte erreichen TGSEB-Qualität. Drittens die manuelle Sortierung und Garbling (Reinigung), die arbeitsintensiv ist. Ein Kilo Tellicherry TGSEB erfordert deutlich mehr Rohware als ein Kilo Standard-Malabar-Pfeffer, was den Preis von 25–40 USD/kg im Großhandel erklärt.

Verwechslungsgefahr & Verfälschungen

Malabar vs. Tellicherry – der feine Unterschied

Häufig wird gewöhnlicher Malabar-Pfeffer fälschlicherweise als „Tellicherry-Stil" vermarktet. Die Unterscheidung ist für Verbraucher schwierig, da es keine strenge internationale Regulierung des Namens gibt. Ein einfacher physikalischer Test: Ein US-Nickel (21,2 mm Durchmesser) dient oft als Maßstab – echte Tellicherry-Beeren sollten bei einer Reihe von fünf Körnern die Breite der Münze überschreiten.

KriteriumEchtes TellicherryFälschung / Standard
Korngröße≥ 4,25 mm (TGEB) / ≥ 4,75 mm (TGSEB)Oft unter 4 mm
HerkunftsangabeThalassery, Kerala – GI Nr. 127Oft nur „Indien" oder „Malabar"
AromaNussig, zitronig, vollmundigFlach, eindimensional scharf
AnalytikIsotopenanalyse, GC-MS-Terpen-FingerprintingNicht rückverfolgbar

Der Nickel-Test

Ein US-Nickel hat einen Durchmesser von 21,2 mm. Legen Sie fünf Tellicherry-Körner nebeneinander – sie sollten die Breite der Münze überschreiten. Das entspricht einem Einzelkorn-Durchmesser von ≥ 4,25 mm. Ist die Reihe kürzer als die Münze, handelt es sich wahrscheinlich um gewöhnlichen Malabar-Pfeffer.

Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung

Genossenschaftliche Strukturen in Kerala

In Kerala hat sich ein starkes genossenschaftliches System etabliert. Farmer Producer Companies (FPCs) wie Bio Mountain stärken die Verhandlungsmacht von über 450 Kleinbauern und eliminieren ausbeuterische Zwischenhändler. Die Förderung von Agroforst-Systemen schützt die Bodenfruchtbarkeit und macht die Plantagen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Die traditionellen „Spice Gardens" sind ein Musterbeispiel für nachhaltige Landwirtschaft.

Farmer Producer Companies

Organisationen wie Bio Mountain stärken die Verhandlungsmacht von über 450 Kleinbauern. Durch Bündelung der Ernte und direkten Export werden ausbeuterische Zwischenhändler eliminiert und faire Preise sichergestellt.

Agroforst-Systeme

Die traditionellen „Spice Gardens" Keralas sind ein Paradebeispiel für Agroforst: Pfefferpflanzen wachsen an Kokospalmen, beschattet von Kaffee- und Kakaobäumen. Dieses System schützt die Bodenfruchtbarkeit und macht die Plantagen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.

Kleinbauern

450+ Farmer

In FPC-Genossenschaften organisiert

Anbausystem

Agroforst / Spice Gardens

Nachhaltige Mischkulturen

Zertifizierungen

Bio, Fair Trade

Verschiedene Organisationen