
Ashanti-Pfeffer
Piper guineense Schumach. & Thonn. – Westafrikas gestieltes Juwel
Der Ashanti-Pfeffer ist ein Juwel der westafrikanischen Küche. Er gehört zur exklusiven Gruppe der gestielten Pfeffer und wird in seiner Heimat – vor allem in Nigeria und Ghana – unter Namen wie Uziza, Iyere oder Kale verehrt. Weit mehr als nur ein Gewürz: Er ist Konservierungsmittel, Heilmittel und unverzichtbarer Geschmacksträger in einem.
Botanische Identität
Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale
Der Ashanti-Pfeffer (Piper guineense Schumach. & Thonn.) gehört zur Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae), Ordnung Piperales. Er ist ein echter Verwandter des klassischen schwarzen Pfeffers (Piper nigrum) – beide teilen die Gattung Piper, unterscheiden sich aber in Morphologie, Chemie und Verbreitungsgebiet grundlegend. In der westafrikanischen Tradition ist er unter zahlreichen lokalen Namen bekannt: Uziza (Igbo), Iyere (Yoruba), Kale (Hausa), Soro wisa (Akan) oder Benin pepper im englischsprachigen Raum.
Die Pflanze wächst als ausdauernde, holzige Kletterliane, die in den tropischen Regenwäldern an Bäumen emporrankt und Längen von 10–20 Metern erreicht. Charakteristisch sind die kleinen Steinfrüchte (Drupen), die an einem markanten Stiel hängen – das wichtigste Erkennungsmerkmal, das ihn von Standard-Schwarzpfeffer unterscheidet. Die herzförmigen Blätter (8–15 cm) sind glänzend dunkelgrün und werden in der nigerianischen Küche als eigenständiges Blattgemüse verwendet.
Wissenschaftlicher Name
Piper guineense Schumach. & Thonn.
Familie
Piperaceae (Pfeffergewächse)
Ordnung
Piperales
Fruchttyp
Gestielte Steinfrucht (Drupe), 3–4 mm

Herkunft, Terroir & Anbau
Geographische Heimat und Wachstumsbedingungen
Die Primärherkunft liegt im tropischen West- und Zentralafrika, mit dem Verbreitungsgürtel von Guinea-Bissau im Westen bis Uganda im Osten. Die wichtigsten Erzeugerländer sind Nigeria (weltgrößter Produzent und Verbraucher), Ghana (Ashanti-Region als Namensgeber), Kamerun, Äthiopien und Côte d'Ivoire. Der Pfeffer gedeiht in den feuchtheißen äquatorialen Regenwäldern auf Höhen von 0–800 m.
Das Terroir ist geprägt vom dichten tropischen Regenwald mit Jahresniederschlägen von 1.500–3.000 mm und Durchschnittstemperaturen von 24–30 °C. Die Pflanze bevorzugt humusreiche, schattige Waldböden und klettert als Liane an Trägerbäumen empor, wobei sie das Kronendach erreichen kann. Der Anbau erfolgt überwiegend durch Wildsammlung oder in traditionellen Waldgärten (Agroforstsystemen), selten in Monokultur.
Hauptanbauländer
Nigeria, Ghana, Kamerun
Westafrika, 0–800 m
Klima
Tropisch feucht, 24–30 °C
Niederschlag 1.500–3.000 mm/Jahr
Boden
Humusreiche Waldböden
Schattige Standorte, hohe Feuchtigkeit

Ernte & Verarbeitung
Von der Regenwald-Liane zur gestielten Drupe
Die Ernte erfolgt durch selektive Handpflückung der reifen oder nahezu reifen Fruchtstände. Da die Beeren ungleichmäßig reifen, werden die ährenförmigen Fruchtstände mehrmals während der Saison (typischerweise Juli–Oktober) geerntet. Die Pflücker klettern dabei oft in die Baumkronen, da die Liane ihre Früchte in Kronendachhöhe ansetzt – eine körperlich fordernde und zeitintensive Arbeit.
Nach der Ernte werden die Beeren samt ihren charakteristischen Stielen von den Fruchtständen getrennt und sonnengetrocknet (3–7 Tage). Durch die Trocknung erhalten sie ihre typische runzlige, dunkelbraune bis schwarze Oberfläche. Der Stiel bleibt als Qualitäts- und Identifikationsmerkmal erhalten. Alternativ werden die Beeren auch über Holzfeuer geräuchert, was ihnen zusätzliche rauchige Noten verleiht.
Erntezeit
Juli – Oktober
Selektive Handpflückung, mehrere Durchgänge
Trocknung
Sonnentrocknung 3–7 Tage
Alternativ: Räucherung über Holzfeuer

Chemische Zusammensetzung
Alkaloide, ätherische Öle und Phenylpropanoide
Piper guineense zeichnet sich durch ein komplexes chemisches Profil aus, das es von anderen Piper-Arten deutlich unterscheidet. Der Piperin-Gehalt liegt bei 1–5 % und ist damit geringer als bei P. nigrum (5–9 %). Die eigentliche aromatische Signatur stammt aus dem ätherischen Öl (Ausbeute 2–8 %), das eine ungewöhnliche Kombination aus Sesquiterpenen und Phenylpropanoiden aufweist. Neben Piperin enthält die Frucht die Piperamid-Alkaloide Guineensin, Piperlongumin und Wisanin.
GC-MS-Analysen zeigen eine starke Chemotyp-Variabilität je nach Herkunft: Proben aus Kamerun werden von β-Caryophyllen (35–58 %) dominiert, während Material aus São Tomé e Príncipe einen Dillapiol-Chemotyp (bis 44,8 %) aufweist. Kongolesische Proben zeigen einen Linalool-reichen Chemotyp (39 %). Diese geographische Variation macht P. guineense zu einem der chemisch vielfältigsten Pfeffer der Welt.
Aroma: Würzig, pfeffrig, holzig
Aroma: Krautig, dill-artig, warm
Aroma: Zitrus, frisch
Aroma: Muskatnuss, warm, würzig
Aroma: Blumig, lavendel-artig
Piperin-Gehalt
1–5 %
Niedriger als P. nigrum (5–9 %)
Ätherisches Öl
2–8 % Ausbeute
β-Caryophyllen oder Dillapiol dominant
Leitsubstanz
Dillapiol (bis 44,8 %)
Phenylpropanoid, São-Tomé-Chemotyp
Einzigartige Alkaloide
Guineensin, Wisanin
Exklusiv in P. guineense
Kamerun-Chemotyp: β-Caryophyllen 35–58 %, β-Elemen 5 %, Bicyclogermacren 5 %. Dominiert von Sesquiterpenkohlenwasserstoffen.
São-Tomé-Chemotyp: Dillapiol 44,8 %, Myristicin 9,8 %. Dominiert von Phenylpropanoiden – aromatisch einzigartig.
Kongo-Chemotyp (2024): Linalool 39,3 %, Germacren D 14,2 %. 53 identifizierte Verbindungen, 44 % oxygenierte Monoterpene.
Nigeria-Chemotyp: β-Sesquiphellandren 20,9 %, Linalool 6,1 %, Limonen 5,8 %. Kein Dillapiol nachweisbar.
Sensorisches Profil
Verkostungsnotizen und Aromaprofil
Ashanti-Pfeffer bietet ein vielschichtiges sensorisches Erlebnis, das sich deutlich von schwarzem Standardpfeffer unterscheidet. Die visuelle Erscheinung zeigt kleine, schwarze, runzlige Beeren (3–4 mm) mit einem deutlich sichtbaren Stielansatz. Beim Zerdrücken entfaltet sich ein komplexes Bouquet aus frischen, krautigen Noten, einem Hauch von Muskat und dezenter Erdigkeit. Die Schärfe ist moderat und wärmend – weniger stechend als schwarzer Pfeffer, dafür mit einem langanhaltenden, nussig-würzigen Nachhall.
Schärfe-Intensität
Nase: Frisch-krautig mit Dill- und Petersilien-Anklängen (Dillapiol), unterlegt von warmer Muskatnuss (Myristicin). Dezent holzig-pfeffrig (β-Caryophyllen).
Gaumen: Wärmende, moderate Schärfe, die langsam ansteigt. Nussige Mitteltöne mit erdigen Untertönen. Keine aggressiven Spitzen.
Finish: Überraschend lang (15–25 Sekunden). Nussig-würziger Nachhall mit einer leicht bitteren, angenehmen Trockenheit. Die Schärfe verebbt sanft.
Ashanti (P. guineense): Nussig, krautig, warm. Moderate Schärfe (5/10). Dillapiol-geprägt. Langer Nachhall.
Kubeben (P. cubeba): Campherartig, eukalyptisch, kühl. Niedrige Schärfe (3/10). Cubebin-geprägt. Medizinischer Beiton.
Schwarzpfeffer (P. nigrum): Scharf, direkt, fruchtig. Hohe Schärfe (7/10). Piperin-dominiert. Schnelles Finish.
Kulinarische Verwendung
Uziza – die Seele der westafrikanischen Küche
In der nigerianischen und ghanaischen Küche ist Ashanti-Pfeffer weit mehr als ein austauschbares Gewürz – er ist eine kulinarische Identität. Unter dem Namen Uziza ist er die Seele der legendären Nigerian Pepper Soup, einem würzigen Eintopf aus Ziegenfleisch oder Fisch, der bei Festen, als Heilsuppe und als Community-Gericht serviert wird. Sowohl die getrockneten Beeren als auch die frischen Blätter der Pflanze werden in der Küche verwendet.
Am besten entfaltet Ashanti-Pfeffer sein Aroma, wenn er frisch im Mörser zerstoßen wird, um die flüchtigen ätherischen Öle unmittelbar freizusetzen. Er wird bevorzugt gegen Ende der Garzeit zugegeben, damit die hitzeempfindlichen Terpene nicht verflüchtigen. Die Blätter werden erst kurz vor dem Servieren in die heiße Suppe eingerührt.
Signatur-Gericht
Nigerian Pepper Soup
Ziege, Fisch oder Innereien mit Uziza
Weitere Klassiker
Ofe Nsala, Uziza Soup, Edikang Ikong
Igbo- und Efik-Küche
Pepper Soup: Der Klassiker – eine stark gewürzte Brühe mit Ziegenfleisch, Catfish oder Innereien. Uziza-Beeren werden mit Alligator-Pfeffer, Ehuru (Monodora myristica) und Uda (Xylopia aethiopica) zum „Pepper Soup Spice" kombiniert.
Ofe Nsala (Weiße Suppe): Ein Igbo-Gericht mit Yam als Verdickungsmittel, Uziza-Blättern und frischem Wels. Die Blätter geben eine charakteristische grüne Farbe und pfeffrige Note.
Edikang Ikong: Ein Cross-River-State-Gericht mit Kürbisblättern, Uziza-Blättern, getrockneten Krebsen und Palmöl – reich und aromatisch.
Uziza Soup: Eine dickflüssige Suppe, in der Uziza-Blätter die Hauptrolle spielen, verfeinert mit Palmöl und Stockfisch.

Food Pairing & Getränke
Aromatische Partner und Getränkekombinationen
Durch seinen hohen β-Caryophyllen-Anteil harmoniert Ashanti-Pfeffer hervorragend mit Gewürzen, die diese Verbindung teilen: Nelken, Muskatnuss, Ingwer und Zimt. Die nussig-erdigen Noten paaren sich ideal mit stärkehaltigen Beilagen wie Yam, Fufu, Kochbananen und Cassava. Bei Proteinen ergänzt er kräftige Aromen von Ziege, Wild, Innereien und geräuchertem Fisch.
Beste Protein-Partner
Ziege, Rind, Wild, Catfish
Kräftige Aromen, die Tiefe brauchen
Getränke-Pairing
Stouts, Palm Wine, Gin Tonic
Würzige Cocktails mit afrikanischen Botanicals
Pepper Soup Spice Blend: Uziza + Uda (Xylopia aethiopica) + Ehuru (Monodora myristica) + Alligator Pepper (Aframomum melegueta) – die klassische Vierer-Kombination der nigerianischen Küche.
Westafrikanische Suya-Variation: Ashanti-Pfeffer + Erdnüsse + Ingwer + Cayenne – als Rub für gegrilltes Fleisch.
Europäische Brücken: Ashanti-Pfeffer + schwarzer Pfeffer + Wacholderbeeren + Lorbeer – für Wildragouts und Schmorgerichte.
Stout/Porter: Die malzigen, röstigen Noten dunkler Biere ergänzen die nussig-erdigen Untertöne perfekt. Nigerianisches Guinness mit Pepper Soup ist ein Klassiker.
Palm Wine: Der leicht fermentierte, süß-säuerliche Palmwein bildet einen traditionellen Kontrast zur Schärfe.
Gin & African Botanicals: Ashanti-Pfeffer als Garnish in Gin Tonics oder als Zutat in afrikanisch inspirierten Craft-Gins wie dem nigerianischen „Lagos Dry Gin".
Gesundheit & Pharmakologie
Traditionelle Medizin und moderne Forschung
In der westafrikanischen Ethnobotanik genießt Piper guineense einen herausragenden Ruf als vielseitiges Heilmittel. Er wird traditionell zur Förderung der Verdauung, als natürliches Konservierungsmittel und – besonders bemerkenswert – als postpartales Tonikum eingesetzt: Frauen nach der Geburt erhalten Uziza-Zubereitungen, um die Regeneration der Gebärmutter zu fördern und die Milchproduktion anzuregen. Moderne Forschung bestätigt viele dieser traditionellen Anwendungen.
Die antimikrobielle Wirkung ist besonders eindrucksvoll: Hexan-Extrakte zeigen MIC-Werte von 19 µg/mL gegen E. coli und 78 µg/mL gegen S. aureus (MDPI Antibiotics 2018). Piperamid-Alkaloide wie Guineensin wirken als Endocannabinoid-Wiederaufnahmehemmer und zeigen potenzielle analgetische und entzündungshemmende Effekte. Gegen multiresistenteCandida-Stämme wurden MIC-Werte von 39 µg/mL gemessen.
Antimikrobiell (E. coli)
MIC 19 µg/mL (Hexan)
Piperine + Piperlongumin, breitbandig
Antifungal (Candida)
MIC 39 µg/mL
C. albicans, C. glabrata, C. tropicalis
Antimikrobiell: Breitband-Aktivität gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien. Synergistische Effekte mit Rifampicin und Tetracyclin gegen S. aureus. Time-Kill-Studien (2023) zeigen bakterizide Wirkung innerhalb 6–8 Stunden bei MIC-Konzentration.
Antifungal: Hemmung der Lanosterol-14α-Demethylase in multiresistenten Candida-Spezies (In-silico- und In-vitro-Studie 2025).
Guineensin: Dieser einzigartige Alkaloid wirkt als Endocannabinoid-Wiederaufnahmehemmer (Anandamid-Reuptake), was analgetische und anxiolytische Effekte erklären könnte. Potenzial für Schmerzforschung.
Postpartale Medizin: In der Igbo- und Yoruba-Tradition erhalten Frauen nach der Geburt eine „Pepper Soup" mit Uziza, um die Uteruskontraktionen zu fördern, die Regeneration zu beschleunigen und als galaktagogues Mittel (Milchflussförderung).
Aphrodisiakum: In Ghana und Nigeria traditionell als potenzsteigerndes Mittel verwendet. Moderne Studien zeigen tatsächlich spermatogene Effekte in Tiermodellen.
Konservierungsmittel: Die antimikrobiellen Eigenschaften werden traditionell genutzt, um Suppen und Saucen haltbarer zu machen – ein empirisches Wissen, das die Forschung heute bestätigt.
Qualitätsmerkmale
Einkaufsparameter und Echtheitsmerkmale
Hochwertiger Ashanti-Pfeffer zeichnet sich durch trockene, feste Beeren von einheitlicher dunkler Farbe mit intaktem Stiel aus. Der Stiel ist das wichtigste Echtheits- und Qualitätsmerkmal: Er unterscheidet echten Ashanti-Pfeffer von minderwertigem Standard-Schwarzpfeffer. Beim Zerdrücken sollte sofort ein würzig-frischer, leicht nussiger Duft aufsteigen – fehlt dieses Aroma, ist die Ware überaltert oder falsch gelagert.
Optische Prüfung
Intakter Stiel, runzlige Oberfläche
Dunkelbraun bis schwarz, 3–4 mm
Aroma-Test
Sofort würzig-frischer Duft
Nussig, krautig beim Zerdrücken
Premium (Head): Große Beeren (4+ mm) mit vollständigem, geradem Stiel. Gleichmäßige schwarze Farbe, starkes Aroma. Feuchtigkeitsgehalt unter 10 %. Vorwiegend für den Export und Spezialitätenhandel.
Standard (Medium): Mittelgroße Beeren mit teilweise gebrochenen Stielen. Gutes Aroma, unter 12 % Feuchtigkeit. Lokaler Handel und gehobene Küche.
Basic (Tail): Bruch, stiellose Beeren und Beimischungen. Für gemahlene Gewürzmischungen und die Lebensmittelindustrie.
Lagerung & Haltbarkeit
Optimale Aufbewahrung und Aromaschutz
Ganze Ashanti-Pfefferkörner bewahren ihr Aroma bei korrekter Lagerung 3 bis 4 Jahre. Entscheidend ist die Aufbewahrung in opaken (lichtundurchlässigen) Gefäßen, kühl und trocken. Gemahlen verliert er seine charakteristischen Terpene deutlich schneller – daher die klare Empfehlung, erst kurz vor der Verwendung zu mahlen oder im Mörser frisch zu zerstoßen.
Haltbarkeits-Rechner
Geschätzte optimale Haltbarkeit
48 Monate
Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas
Ganze Beeren
36–48 Monate
Kühl, trocken, opakes Gefäß
Gemahlen
3–6 Monate
Frisch mahlen empfohlen
Geschichte & kulturelle Bedeutung
Vom Guinea-Pfeffer zum vergessenen Juwel
Ashanti-Pfeffer war im europäischen Mittelalter als „Pfeffer von Guinea" oder „Guinea pepper" bekannt und wurde im 14. und 15. Jahrhundert über transsaharische Handelsrouten und die westafrikanische Küste nach Europa exportiert. Portugiesische Händler brachten ihn ab dem 15. Jahrhundert direkt per Schiff nach Lissabon. Er war zeitweise so beliebt, dass die gesamte westafrikanische Küste den Beinamen „Pfefferküste" (Grain Coast, Pepper Coast) erhielt.
Mit dem Aufstieg des portugiesischen Indienhandels ab 1498 (Vasco da Gama) und der Etablierung eines Monopols auf Piper nigrum wurde der Guinea-Pfeffer in Europa systematisch verdrängt und vergessen. In Westafrika selbst blieb er jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil der Küche, Medizin und rituellen Praxis – ein kulinarisches Erbe, das über 500 Jahre ununterbrochen gepflegt wird.
Markt, Handel & Wirtschaft
Nischengewürz mit wachsendem Exportpotenzial
Ashanti-Pfeffer ist ein typisches Nischenprodukt des Spezialitätenhandels. Der Großteil der Produktion wird auf lokalen Märkten in Westafrika gehandelt – in Nigeria ist Uziza auf jedem größeren Markt von Lagos bis Enugu erhältlich. Der internationale Export erfolgt primär über spezialisierte Importeure in Europa, den USA und zunehmend im Nahen Osten (westafrikanische Diaspora).
Der Preis liegt aufgrund der manuellen Ernte, des begrenzten Angebots und der aufwendigen Wildsammlung deutlich über dem von Standard-Schwarzpfeffer. Im europäischen Spezialitätenhandel werden 15–35 EUR pro 100 g verlangt. Die wachsende Diaspora-Nachfrage und das steigende Interesse der Gourmetszene an westafrikanischen Zutaten treiben den Markt.
Preisniveau (EU)
15–35 EUR / 100 g
Spezialitätenhandel, Premium-Segment
Hauptabsatzmärkte
Nigeria, Ghana, EU, USA
Wachsend: Diaspora-Nachfrage + Gourmet
Verwechslungsgefahr & Verfälschungen
Abgrenzung von Kubebenpfeffer und anderen gestielten Pfeffern
Die häufigste Verwechslung besteht mit dem indonesischen Kubebenpfeffer (Piper cubeba), der ebenfalls gestielt ist. Der Unterschied liegt im Detail: Kubeben sind größer (5–6 mm), glatter und besitzen eine ausgeprägte campherartige Eukalyptusnote, die beim Ashanti-Pfeffer völlig fehlt. Ashanti-Pfeffer ist kleiner (3–4 mm), stärker runzlig und im Geschmack nussiger und weniger medizinisch.
Häufigste Verwechslung
Kubebenpfeffer (P. cubeba)
Größer, glatter, campherartig
Sicherstes Unterscheidungsmerkmal
Aroma: nussig vs. campherartig
Plus: Größe, Oberflächenstruktur, Stielform
P. cubeba (Kubeben): 5–6 mm, glatte Oberfläche, langer gerader Stiel, Camphergeschmack. Herkunft: Indonesien.
P. retrofractum (Langer Pfeffer): Zapfenförmig, nicht kugelförmig. Keine Verwechslung bei ganzen Körnern, aber möglich bei gemahlenem Produkt.
P. nigrum (Schwarzpfeffer): Kein Stiel, größere Körner (4–6 mm), glatter. Verwechslung nur bei bewusster Verfälschung (Stiellose Ashanti-Beeren gemischt in Schwarzpfeffermischungen).
Nachhaltigkeit & soziale Verantwortung
Regenwaldschutz und Sammlergemeinschaften
Der Schutz der tropischen Regenwälder in Nigeria, Ghana und Kamerun ist essenziell für den Erhalt der Wildbestände von Piper guineense. Die Pflanze ist auf intakte Waldökosysteme angewiesen – Abholzung und Landumwandlung für Palmölplantagen und Kakaoanbau stellen die größten Bedrohungen dar. Gleichzeitig bietet der nachhaltige Handel mit Ashanti-Pfeffer einen wirtschaftlichen Anreiz, Wälder zu erhalten statt zu roden.
Die Ernte sichert vielen ländlichen Familien und Sammlergemeinschaften ein wichtiges Einkommen. Frauen spielen in der Wertschöpfungskette eine zentrale Rolle – von der Ernte über die Trocknung bis zum Marktverkauf. Agroforstsysteme, in denen P. guineense zusammen mit Kakao und anderen Nutzpflanzen angebaut wird, gelten als Modell für nachhaltigen tropischen Anbau.
Quellenverzeichnis
- 1.Oyemitan, I.A. et al. (2015): „Psychoneuropharmacological activities and chemical composition of essential oil of fresh fruits of Piper guineense (Piperaceae) in mice.“ J. Ethnopharmacol. 166:240-249. – GC-MS-Analyse: β-Sesquiphellandren 20,9 %, Linalool 6,1 %, Nigeria-Chemotyp, sedative Wirkung.
- 2.Tchoumbougnang, F. et al. (2002): „Aroma compound analysis of Piper nigrum and Piper guineense essential oils from Cameroon using SPME-GC-MS.“ J. Chromatogr. A 963:213-223. – β-Caryophyllen 57,6 % (schwarze Früchte), Kamerun-Chemotyp.
- 3.Dagne, E. et al. (1998): „Essential oil from four Piper species.“ Bull. Chem. Soc. Ethiop. 12(1). – Dillapiol 44,8 %, Myristicin 9,8 %, São-Tomé-Chemotyp.
- 4.Mbatchou, V.C. & Oyelakin, O. (2018): „Alkaloid-Rich Crude Extracts, Fractions and Piperamide Alkaloids of Piper guineense Possess Promising Antibacterial Effects.“ Antibiotics (MDPI) 7(4):98. – MIC 19 µg/mL (E. coli), Guineensin, Wisanin isoliert.
- 5.Okonkwo, C.O. et al. (2023): „Time Kill Assay Evaluation of Piper guineense Leaf and Seed Extracts against Enteric Pathogens.“ Trop. J. Nat. Prod. Res. 7(12). – Bakterizide Wirkung in 6–8 h, Alkaloid/Flavonoid-Synergie.
- 6.Chiawa, M.A. et al. (2023): „Effect of soaking and air-resting on the phytochemical, antioxidant, and antimicrobial properties of Piper guineense seeds.“ J. Sci. Food Agric. 103:2890-2899. – Verarbeitungsoptimierung, Flavonoid- und Alkaloid-Gehalte.
- 7.Ngou Milama, E. et al. (2025): „Chemical Composition of the Essential Oil of Piper guineense from Republic of Congo.“ Am. J. Chem. 15(2):36-43. – Linalool 39,3 %, Germacren D 14,2 %, Kongo-Chemotyp 2024.
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