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Echter Pfeffer

Ceylon-Pfeffer

Piper nigrum L. – Der stille Champion der Gewürzwelt

Ceylon-Pfeffer aus Sri Lanka gilt unter Kennern als der piperin-reichste Pfeffer der Welt. Mit einem Piperingehalt von 7–15 % – dem 2- bis 6-fachen des globalen Durchschnitts – liefert er eine aristokratische, aufbauende Schärfe von unvergleichlicher Intensität. Angebaut in den legendären Waldgärten der Gewürzinsel auf vulkanischen Böden zwischen 600 und 1.200 Metern Höhe, vereint er mineralische Tiefe mit tropischer Eleganz.

Botanische Identität

Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale

Piper nigrum L. gehört zur Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae) und ist damit ein echter Pfeffer im strengen botanischen Sinne. Die Pflanze ist eine ausdauernde, verholzende Kletterpflanze, die in tropischen Biomen an Stützbäumen bis zu 10 Meter Höhe emporklettern kann. Die Blätter sind wechselständig, ledrig und herzförmig-oval mit markanter Nervatur.

Die Früchte reifen in hängenden Ähren (Spikes) heran, die jeweils 50–80 kugelrunde Steinfrüchte (Drupes) mit einem Durchmesser von etwa 5 mm tragen. Der Ceylon-Pfeffer zeichnet sich gegenüber anderen Piper nigrum-Kultivaren durch eine besonders langsame Reifung unter den spezifischen klimatischen Bedingungen Sri Lankas aus – was seinen weltweit höchsten Piperingehalt erklärt.

Handelsname

Ceylon-Pfeffer

Sri-Lanka-Pfeffer

Botanischer Name

Piper nigrum L.

Familie: Piperaceae

Wuchsform

Kletterpflanze

Bis 10 m Höhe

Ordnung

Piperales

Echter Pfeffer

Genutzter Teil

Steinfrucht (Drupe)

~5 mm Durchmesser

Besonderheit

Höchster Piperingehalt

7–15 % weltweit

Ceylon-Pfefferkörner in Messingschale
Ceylon-Pfeffer aus Sri Lanka – besonders große, aromatische Körner mit dem weltweit höchsten Piperin-Gehalt. Bild: KI generiert.

Herkunft, Terroir & Anbau

Die legendäre Gewürzinsel Sri Lanka

Sri Lanka – historisch als „Gewürzinsel" (Spice Island) bekannt – besitzt nachweislich native Wildformen von Piper nigrum, die auf eine jahrtausendealte Koevolution mit dem lokalen Ökosystem hindeuten. Die Hauptanbaugebiete liegen in den Regionen Kandy, Matale und Ratnapura in Höhenlagen zwischen 600 und 1.200 Metern. Hier herrschen ideale Bedingungen: vulkanische Böden, konstante Luftfeuchtigkeit und regelmäßiger Monsunregen.

Das Anbausystem basiert auf traditionellen Waldgärten (Forest Gardens), in denen Pfeffer unter dem Schattendach hoher Bäume wächst – ein Polykultursystem, das seit Jahrhunderten praktiziert wird. Die vulkanischen Böden verleihen dem Ceylon-Pfeffer eine einzigartige mineralische Tiefe, die ihn von Pfeffern auf Lateritböden (wie in Indien) deutlich unterscheidet. Die verlangsamte Reifung in diesem Terroir führt zu einer höheren Konzentration an ätherischen Ölen und Piperin.

Terroir-ParameterSpezifikationAuswirkung auf das Profil
GeographieKandy, Matale, RatnapuraTropisch-montanes Klima
Höhenlage600–1.200 mVerlangsamte Reifung, mehr Piperin
BödenVulkanisch, mineralreichMineralische Tiefe, komplexes Profil
AnbausystemWaldgärten (Forest Gardens)Schattenanbau, Polykultur
Anbaufläche~32.000 HektarNur 2–2,5 % der Weltproduktion

Region

Kandy, Matale, Ratnapura

Zentrales Hochland

Höhenlage

600–1.200 m

Tropisch-montan

Anbauform

Waldgärten

Forest Gardens

Weltanteil

2–2,5 %

~32.000 ha

Zentrales Hochland von Sri Lanka
Sri Lankas zentrales Hochland – Tee- und Gewürzplantagen auf nebelverhangenen Berghängen. Bild: KI generiert.

Ernte & Verarbeitung

Handarbeit und die einzigartige Blanchiermethode

Die Ernte des Ceylon-Pfeffers erfolgt durch Kleinbauern in Handarbeit. Die Ähren werden gepflückt, sobald die ersten Beeren an der Traube von Grün nach Gelb-Orange umschlagen – ein Zeichen optimaler Reife. Pro Pflanze werden jährlich 2–3 kg frische Beeren geerntet, die nach der Trocknung auf etwa ein Drittel ihres Gewichts schrumpfen.

Eine Besonderheit der sri-lankischen Verarbeitung ist das Blanchieren (Blanching): Die frisch geernteten Beeren werden kurz in ca. 90 °C heißes Wasser getaucht. Dieser Schritt reinigt die Oberfläche, reduziert die mikrobielle Belastung und fördert die Bildung der charakteristisch dunklen Farbe durch enzymatische Oxidation. Anschließend folgt die mehrtägige Sonnentrocknung.

PhaseDetailsErgebnis
ErnteHandpflückung bei FarbumschlagOptimaler Reifegrad
BlanchierenKurzes Tauchen in ~90 °C WasserReinigung, dunkle Farbe
Sonnentrocknung3–5 Tage auf MattenFeuchtigkeit unter 12 %
SortierungNach Größe und DichteUniform, schwere Körner
Export-GradingEDB-Standards Sri LankaPremium-Qualitätssicherung

Die Blanchiermethode – Ceylons Geheimnis

Das kurze Blanchieren in heißem Wasser ist eine Besonderheit der sri-lankischen Pfefferverarbeitung und unterscheidet Ceylon-Pfeffer von indischen oder südostasiatischen Varianten. Durch die Hitzebehandlung werden oberflächliche Mikroorganismen abgetötet, gleichzeitig wird die enzymatische Bräunung aktiviert, die dem Ceylon-Pfeffer seine charakteristisch gleichmäßige, tiefschwarze Farbe verleiht. Der Piperingehalt bleibt dabei vollständig erhalten.

Gewürzgarten in Sri Lanka
Traditioneller Gewürzgarten im Distrikt Matale – Pfeffer wächst hier neben Zimt, Kardamom und Nelken. Bild: KI generiert.

Chemische Zusammensetzung

Piperin – der Bioenhancer mit Weltrekordgehalt

Das chemische Profil des Ceylon-Pfeffers wird von Piperin dominiert – einem Alkaloid der Summenformel C₁₇H₁₉NO₃ (MW: 285,34), das als Agonist des TRPV1-Rezeptors (Vanilloidrezeptor) die charakteristische Hitze-Schärfe auslöst. Der Piperingehalt des Ceylon-Pfeffers liegt bei 7–15 % und erreicht nach der Studie von Jansz et al. (1984, CISIR) ein Maximum von 14,2 % bei 19 Wochen Reife. Zum Vergleich: Der globale Durchschnitt liegt bei nur 2–7 %.

Neben Piperin enthält Ceylon-Pfeffer die Isomere Chavicin und Isochavicin sowie ein ätherisches Öl (bis 3,5 %), das von Sabinen, α-Pinen, β-Pinen, β-Caryophyllen, Limonen und Linalool geprägt wird. Pharmakologisch besonders bedeutsam ist Piperins Rolle als Bioenhancer: Es steigert die Bioverfügbarkeit von Curcumin um bis zu 2.000 % und hemmt die Enzyme CYP3A4, P-Glykoprotein und die Glucuronidierung.

Leitwirkstoff

Piperin (7–15 %)

TRPV1-Agonist, Bioenhancer

Ätherisches Öl

Bis 3,5 %

Sabinen-dominiert

Terpenprofil – Sabinen-dominiert

Sabinen1525 %

Aroma: Würzig, holzig

β-Caryophyllen1020 %

Aroma: Würzig, pfeffrig

Limonen815 %

Aroma: Zitrus, frisch

α-Pinen512 %

Aroma: Kiefernartig, harzig

Linalool38 %

Aroma: Blumig, lavendelartig

Der Piperingehalt des Ceylon-Pfeffers übertrifft alle anderen Anbauregionen deutlich:

  • Ceylon (Sri Lanka): 7–15 % Piperin – Weltrekord (bis 14,2 %)
  • Malabar (Indien): 3–6 % Piperin – Standardreferenz
  • Sarawak (Malaysia): 2–5 % Piperin – milder Charakter
  • Lampong (Indonesien): 4–7 % Piperin – robust, aber unter Ceylon

Quelle: Jansz et al. 1984, J. Sci. Food Agric. 35; Srinivasan 2007

Piperin ist einer der potentesten natürlichen Bioenhancer:

  • Curcumin: Bioverfügbarkeit steigt um 2.000 % (Shoba et al. 1998)
  • Vitamine: Verbesserte Aufnahme von Vitamin A, C, B₆, Selen, β-Carotin
  • Medikamente: Erhöhte Bioverfügbarkeit von Rifampicin, Phenytoin, Propranolol
  • Mechanismus: Hemmung von CYP3A4, P-Glykoprotein und Glucuronidierung

Quelle: Srinivasan 2007, Crit. Rev. Food Sci. Nutr. 47(8):735-748

Sensorisches Profil

Aristokratische Schärfe mit mineralischer Tiefe

Ceylon-Pfeffer bietet ein aristokratisch-elegantes Geschmackserlebnis, das sich von anderen schwarzen Pfeffern durch seine überwältigende Schärfeintensität unterscheidet. Die Hitze baut sich langsam über 5–10 Sekunden auf und hält dann 15–25 Minuten lang an – länger als bei jedem anderen Piper-nigrum-Kultivar. Begleitet wird die Schärfe von holzig-warmen und leicht zitrusartigen Aromanoten.

Aromaradar

ScharfHolzigZitrusErdigBlumigWürzigHarzigMineralisch

Schärfe-Intensität (Piperin)

Schärfe-Intensität

9/ 10Sehr scharf
TypPiperin (intensive Hitze)
EinsatzAufbauend (5–10 Sek.)
DauerLang (15–25 Min.)
DimensionBeschreibung
VisuellGleichmäßig tiefschwarze, dichte Körner mit leichtem Glanz
PrimäraromaIntensive, aggressive Pfefferhitze mit sofortiger Wärme
SekundäraromaHolzig-warm, leicht zitrusartig, mineralisch
Trigeminaler EffektBrennende Hitze (TRPV1), aufbauend, langanhaltend
FinishSehr langanhaltend warm, mineralisch, aristokratisch elegant

Kulinarische Verwendung

Premium-Tafelpfeffer für anspruchsvolle Gerichte

Ceylon-Pfeffer ist ein Premium-Tafelpfeffer, der aufgrund seiner extremen Piperinintensität sparsam dosiert werden sollte. Seine aristokratische Schärfe entfaltet sich am besten in reichhaltigen, komplexen Gerichten, in denen sie als Kontrapunkt zu Fett, Umami und Süße wirkt. Weniger ist hier mehr – die Intensität des Ceylon-Pfeffers macht ihn zum idealen Finishing-Gewürz.

Ideale Hauptgerichte

  • Steak au Poivre – Klassiker mit Ceylon-Pfeffer-Kruste
  • Wildgerichte – Reh, Hirsch, Wildschwein mit Pfeffersauce
  • Lammkarree – Pfefferkruste mit Kräutern
  • Gegrillter Thunfisch – Pfefferrand, medium-rare
  • Geschmorte Ochsenbacke – Langzeitgaren mit ganzen Körnern

Überraschende Paarungen

  • Dunkle Schokolade mit frisch gemahlenem Ceylon-Pfeffer
  • Erdbeeren oder Mango mit einer Prise Pfeffer
  • Pfefferkuchen und weihnachtliches Gebäck
  • Vanilleeis mit Ceylon-Pfeffer-Karamell
  • Espresso mit einer Spur Pfeffer (traditionell in Äthiopien)

Küchentipp: Weniger ist mehr!

Aufgrund des extrem hohen Piperingehalts genügen beim Ceylon-Pfeffer deutlich geringere Mengen als bei Standardpfeffer. Empfehlung: Beginnen Sie mit der Hälfte der üblichen Menge und dosieren Sie bei Bedarf nach. Frisch gemahlen unmittelbar vor dem Servieren entfaltet Ceylon-Pfeffer sein volles Aromaspektrum – die ätherischen Öle verflüchtigen sich beim Kochen.

Sri-lankisches Curry mit Pfeffer
Sri-lankisches Curry – die Inselküche setzt auf reichlich frisch gemahlenen Ceylon-Pfeffer in Kokosmilch-Saucen. Bild: KI generiert.

Food Pairing & Getränke

Intensive Schärfe trifft auf reiche Aromen

Die extreme Piperinintensität des Ceylon-Pfeffers verlangt nach Paarungen, die seine Schärfe komplementieren und ausbalancieren. Fettreiche Proteine, dunkle Schokolade und gereifte Käse bilden ideale Partner, da ihre Fett- und Umami-Komponenten die Hitze einrahmen, ohne sie zu ersticken.

Lebensmittel

  • Rotes Fleisch, Wild, Lamm
  • Dunkle Schokolade (70 %+)
  • Tropische Früchte (Mango, Ananas)
  • Gereifter Käse (Parmesan, Gruyère)
  • Kaffee und Espresso

Wein & Bier

  • Kräftiger Rotwein (Syrah, Malbec)
  • Barrique-gereifter Chardonnay
  • Imperial Stout und Porter
  • Belgisches Dubbel oder Tripel

Spirituosen

  • Single Malt Whisky (torfig oder sherried)
  • Cognac und Armagnac
  • Rum (gereift, dunkel)
  • Craft Beer mit Pfeffernoten

Gesundheit & Pharmakologie

Piperin als pharmazeutischer Bioenhancer

Die pharmakologische Bedeutung des Ceylon-Pfeffers liegt vor allem in seinem außergewöhnlich hohen Piperingehalt. Piperin ist nicht nur für die Schärfe verantwortlich, sondern entfaltet ein breites Spektrum pharmakologischer Wirkungen, die in zahlreichen Studien dokumentiert sind. Besonders bemerkenswert ist seine Rolle als natürlicher Bioenhancer, der die Aufnahme anderer Wirkstoffe dramatisch steigern kann.

WirkungDetailsMechanismusQuelle
BioenhancerCurcumin-Aufnahme +2.000 %CYP3A4- und P-gp-HemmungSrinivasan 2007
AntiinflammatorischHemmung von NF-κB und COX-2Unterdrückung pro-inflammatorischer ZytokineTakooree 2019
HepatoprotektivSchutz der Leberzellen vor ToxinenAntioxidative WirkungGorgani 2020
NeuroprotektivSchutz vor neurodegenerativen ProzessenMAO-Hemmung, antioxidativTakooree 2019
AntidiabetischVerbesserter GlukosemetabolismusGLUT4-Translokation, InsulinsensitivierungGorgani 2020
Vitiligo-TherapieStimulation der MelanozytenpigmentierungMelanogenese-AktivierungDamanhouri 2014

Die Fähigkeit von Piperin, die Bioverfügbarkeit anderer Substanzen zu steigern, macht es zu einem der wichtigsten natürlichen Bioenhancer in der Pharmazie. Der Mechanismus beruht auf der Hemmung des hepatischen und intestinalen Metabolismus: Piperin inhibiert CYP3A4 (das wichtigste Cytochrom-P450-Enzym), hemmt P-Glykoprotein (einen Efflux-Transporter) und unterdrückt die Glucuronidierung. Dadurch bleiben Wirkstoffe wie Curcumin, Vitamine und bestimmte Medikamente länger im Körper aktiv. Achtung: Genau dieser Mechanismus kann auch Medikamentenwechselwirkungen verursachen – bei Einnahme von Dauermedikation sollte ein Arzt konsultiert werden.

Qualitätsmerkmale & Einkauf

Erkennungszeichen eines Premium-Ceylon-Pfeffers

Ein hochwertiger Ceylon-Pfeffer zeichnet sich durch hohe Dichte, gleichmäßig dunkle Farbe und eine sofort spürbare, intensive Schärfe auf der Zunge aus. Die Körner sollten schwer in der Hand liegen – leichte, hohle Beeren deuten auf unreife Ernte oder mangelhafte Verarbeitung hin. Die Export-Standards werden vom Sri Lanka Export Development Board (EDB) überwacht.

Qualitätskriterien

  • Hohe Dichte – Körner sinken im Wasser
  • Gleichmäßig tiefschwarze Farbe
  • Sofortige, intensive Hitze auf der Zunge
  • Aromatischer, würzig-warmer Duft
  • Einheitliche Korngröße (~5 mm)

Warnsignale

  • Leichte, hohle oder helle Körner (unreif)
  • Ungleichmäßige Farbe oder Größe
  • Schwache oder fehlende Schärfe
  • Muffiger Geruch (Fehltrocknung)
  • Extrem günstiger Preis (Verschnitt)

Handelsform

Ganze Körner

Frisch gemahlen verwenden

Qualitätsaufsicht

Sri Lanka EDB

Export Development Board

Korngröße

~5 mm Durchmesser

Uniform und schwer

Lagerung & Haltbarkeit

Langlebig als ganzes Korn, flüchtig gemahlen

Ganze Ceylon-Pfefferkörner besitzen eine bemerkenswerte Haltbarkeit von 3–4 Jahren, da die intakte Schale die ätherischen Öle und das Piperin schützt. Gemahlen verliert der Pfeffer dagegen innerhalb von 6–12 Monaten einen Großteil seiner Aromaintensität. Die Lagerung sollte stets in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern an einem kühlen, trockenen Ort erfolgen.

Haltbarkeitsrechner

Haltbarkeits-Rechner

Geschätzte optimale Haltbarkeit

48 Monate

Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas

Ganze Körner

3–4 Jahre

Luftdicht und dunkel

Gemahlen

6–12 Monate

Rascher Aromaverfall

Temperatur

Unter 20 °C

Kühl und trocken

Feuchtigkeit

Unter 65 % r.H.

Keine Kondensation

Geschichte & Kulturelle Bedeutung

Von der antiken Gewürzinsel zum kolonialen Handelsgut

Sri Lanka war seit der Antike als „Gewürzinsel" bekannt und zog Händler aus der arabischen Welt, dem Römischen Reich und später aus Europa an. Pfeffer gehörte neben Zimt zu den wertvollsten Exportgütern der Insel. Die arabischen Händler kontrollierten den frühen Gewürzhandel über den Indischen Ozean, gefolgt von den Portugiesen, die im 16. Jahrhundert die Küsten eroberten.

Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) übernahm im 17. Jahrhundert die Kontrolle und etablierte den systematischen Gewürzhandel. Unter britischer Kolonialherrschaft (1796–1948) wurde der Pfefferanbau in Plantagen organisiert. Nach der Unabhängigkeit 1948 kehrte Sri Lanka zum Kleinbauernmodellzurück, das bis heute die Produktion prägt – mit Waldgärten als nachhaltigem Erbe der Tradition.

ZeitraumEreignis
AntikeSri Lanka als „Spice Island" – arabische Händler kontrollieren den Pfefferhandel
16. Jh.Portugiesische Eroberung der Küsten, Monopolisierung des Gewürzhandels
17. Jh.VOC (Niederländische Ostindien-Kompanie) übernimmt den systematischen Handel
1796–1948Britische Kolonialzeit – Plantagensystem für Pfeffer und Tee
Ab 1948Unabhängigkeit – Rückkehr zum Kleinbauernmodell und Waldgärten
21. Jh.Premium-Positionierung auf dem Weltmarkt, wachsende Specialty-Nachfrage

Die Waldgärten – Lebendiges Erbe

Die traditionellen Waldgärten Sri Lankas sind ein über Jahrhunderte gewachsenes Agroforstsystem, in dem Pfefferpflanzen an Schattenbäumen emporklettern, während am Boden Gewürze wie Kardamom und Kurkuma gedeihen. Dieses System vereint Biodiversität, Nachhaltigkeit und Qualität auf einzigartige Weise und ist heute ein Modell für ökologischen Gewürzanbau weltweit.

Markt, Handel & Wirtschaft

Premium-Nische mit Knappheitsprämie

Ceylon-Pfeffer nimmt auf dem Weltmarkt eine Premium-Position ein, die durch seine Knappheit (nur 2–2,5 % der Weltproduktion) und seinen außergewöhnlichen Piperingehalt gestützt wird. Die Preise liegen typischerweise 2–3× über Standardpfeffer. Hauptexportmärkte sind Indien, Deutschland, die USA, Australien und Kanada.

Preissegment

Premium

2–3× Standardpfeffer

Weltanteil

2–2,5 %

Knappheitsprämie

Exportmärkte

DE, USA, AU, CA, IN

Wachsende Nachfrage

Produzenten

Kleinbauern

~32.000 ha Anbaufläche

Die weltweite Nachfrage nach Premium-Pfeffer wächst stetig, getrieben durch die Specialty-Food-Bewegung, gehobene Gastronomie und das wachsende Bewusstsein für Herkunft und Qualität. Ceylon-Pfeffer profitiert von diesem Trend besonders, da sein messbarer Piperinvorteil (7–15 % vs. 2–7 % global) ein objektives Qualitätsargument liefert. Die begrenzte Anbaufläche und das Kleinbauernmodell halten das Angebot jedoch knapp, was die Preisstabilität auf Premium-Niveau sichert.

Verwechslungsgefahr & Verfälschungen

Streckungen und minderwertige Substitute erkennen

Aufgrund seines Premium-Preises wird Ceylon-Pfeffer gelegentlich mit minderwertigem indischem Pfeffer verschnitten oder durch günstigere Sorten substituiert. Gemahlener Pfeffer ist besonders anfällig für Verfälschungen mit Stärke, Papayakernen oder Mehl. Helle, leichte Beeren oder unreife Früchte im Gemisch deuten auf mindere Qualität hin.

MerkmalCeylon-Pfeffer (echt)Minderwertige WareGemahlene Fälschung
FarbeGleichmäßig tiefschwarzHelle, bräunliche KörnerGrau-braun, ungleichmäßig
GewichtSchwer, dicht, sinkt im WasserLeicht, hohlUnbestimmbar
SchärfeSofort intensiv, langanhaltendSchwach, schnell nachlassendKaum vorhanden (Stärkestreckung)
StreckungsmittelKeineIndischer BilligpfefferStärke, Papayakerne, Mehl

Häufigste Fälschung

Verschnitt mit Billigpfeffer

Indischer Standard-Pfeffer

Gemahlene Streckung

Stärke, Papayakerne

Nur ganze Körner kaufen!

Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung

Waldgärten als Modell für ökologischen Anbau

Das Waldgarten-System Sri Lankas ist ein inhärent nachhaltiges Produktionsmodell, das Biodiversität, Bodengesundheit und wirtschaftliche Erträge vereint. Pfeffer wächst als Kletterpflanze an bestehenden Schattenbäumen – ohne Rodung, ohne Monokultur. Die Polykultur mit Zimt, Kardamom, Muskatnuss und Gewürznelken schafft ein artenreiches Ökosystem, das wenig externe Inputs benötigt.

Ökologische Aspekte

  • Waldgarten = keine Rodung, kein Landverbrauch
  • Biodiversitätsreiche Polykultur
  • Schattenanbau unter bestehendem Baumkronendach
  • Minimaler Pestizid- und Düngemitteleinsatz

Soziale Aspekte

  • Kleinbauernkooperativen stärken faire Handelsstrukturen
  • Familienbetriebe als wirtschaftliches Rückgrat
  • Fairtrade-Initiativen wachsen
  • Bewahrung traditioneller Anbaumethoden

Anbauform

Waldgärten

Forest Gardens seit Jahrhunderten

Ökologie

Polykultur

Biodiversitätsreich

Soziales

Kleinbauern-Kooperativen

Fairtrade wachsend

Quellenverzeichnis

  • 1.Jansz, E.R. et al. (1984): „Effect of maturity on some chemical constituents of Sri Lankan pepper." J. Sci. Food Agric. 35:41-46.
  • 2.Srinivasan, K. (2007): „Black Pepper and its Pungent Principle – Piperine: A Review of Diverse Physiological Effects." Critical Reviews in Food Science and Nutrition 47(8):735-748.
  • 3.Gorgani, L. et al. (2020): „Piperine – The Bioactive Compound of Black Pepper: From Isolation to Medicinal Formulations." Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety.
  • 4.Takooree, H. et al. (2019): „A Systematic Review on Black Pepper (Piper nigrum L.): From Folk Uses to Pharmacological Applications." Appl. Sci. 9(20):4270.
  • 5.Damanhouri, Z.A. & Ahmad, A. (2014): „A Review on Therapeutic Potential of Piper nigrum L. (Black Pepper): The King of Spices." Medicinal & Aromatic Plants 3(3):161.

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