
Szechuanpfeffer
Zanthoxylum bungeanum & Z. armatum – Das betäubende Gewürz der Sichuan-Küche
Szechuanpfeffer ist kein Pfeffer im botanischen Sinne, sondern ein Zitrusgewächs aus der Familie der Rautengewächse. Mit seinem legendären „Ma La"-Effekt – einer einzigartigen Kombination aus betäubendem Prickeln und feuriger Schärfe – ist er das Herzstück der Sichuan-Küche und eines der faszinierendsten Gewürze der Welt.
Botanische Identität
Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale
Unter dem Sammelbegriff „Szechuanpfeffer" werden vor allem zwei Arten der Gattung Zanthoxylum zusammengefasst: Zanthoxylum bungeanum Maxim. (der rote Szechuanpfeffer, chin. 花椒 „Huājiāo") und Zanthoxylum armatumDC. (der grüne Szechuanpfeffer, chin. 青花椒 „Qīng Huājiāo"). Beide gehören zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) – derselben Familie wie Zitronen und Orangen – und sind taxonomisch völlig getrennt von den echten Pfeffern (Piper, Piperaceae).
Die Pflanzen wachsen als dornige, laubabwerfende Sträucher oder kleine Bäumemit einer Höhe von 3–7 Metern. Sie sind bemerkenswert frosthart und überstehen Temperaturen bis −20 °C. Im Gegensatz zum echten Pfeffer, bei dem der Same verwendet wird, nutzt man beim Szechuanpfeffer ausschließlich das getrocknete Perikarp (die Fruchtkapsel) – die schwarzen Samen im Inneren werden entfernt, da sie bitter und sandig schmecken.
Handelsname
Szechuanpfeffer
Sichuanpfeffer, Huajiao
Botanischer Name
Z. bungeanum / Z. armatum
Familie: Rutaceae
Wuchsform
Dorniger Strauch/Baum
3–7 m Höhe
Ordnung
Sapindales
Verwandt mit Citrus
Genutzter Teil
Perikarp (Fruchtkapsel)
Nicht der Same
Klassifizierung
Pseudo-Pfeffer
Kein Piper-Gewächs

Herkunft, Terroir & Anbau
Sichuan, der Himalaya und die Bergregionen Chinas
Die Heimat des Szechuanpfeffers ist Zentralchina, insbesondere die Provinz Sichuan, die dem Gewürz seinen Namen gab. Die Premium-Anbaugebiete Hanyuan (汉源) und Dahongpao (大红袍, „Großer roter Mantel") liefern die begehrtesten Qualitäten, deren Preise ein Vielfaches der Standardware betragen. Z. armatum (der grüne Typ) erstreckt sich zudem über die Himalaya-Region von Nepal bis Nordindien.
Die Bäume gedeihen in Höhenlagen von 500 bis 2.500 Metern und sind bemerkenswert frosthart (bis −20 °C). Der Anbau erfolgt überwiegend durch Kleinbauern in Bergregionen, oft in Terrassenlandschaften. Die Bodenbeschaffenheit und das Mikroklima der jeweiligen Region prägen das aromatische Profil entscheidend – eine Studie von Feng et al. (2024) identifizierte 173 flüchtige Verbindungen mit signifikanten regionalen Variationen.
| Terroir-Parameter | Spezifikation | Auswirkung auf das Profil |
|---|---|---|
| Geographie | Sichuan, Yunnan, Gansu, Himalaya | Regionale Aromavariationen (Feng 2024) |
| Höhenlage | 500–2.500 m | Höhere Lagen = intensiveres Aroma |
| Frosthärte | Bis −20 °C | Anbau auch in Mitteleuropa möglich |
| Premium-Region | Hanyuan, Dahongpao (Sichuan) | Höchste Sanshool-Konzentration |
| Erntezeit | August–Oktober | Optimale Reife für Ma-La-Effekt |
Hauptregion
Sichuan, China
Hanyuan & Dahongpao
Höhenlage
500–2.500 m
Bergregionen
Frosthärte
Bis −20 °C
Extrem winterhart
Erntezeit
August–Oktober
Handpflückung

Ernte & Verarbeitung
Von der dornigen Wildpflanze zur aromatischen Kapsel
Die Ernte des Szechuanpfeffers ist eine mühsame Handarbeit, da die Sträucher kräftige Dornen besitzen. Die Beeren werden in ganzen Fruchtständen (Clustern) gepflückt, sobald sie ihre charakteristische rote bzw. grüne Färbung erreichen – je nach Art zwischen August und Oktober. Die Verarbeitung erfolgt traditionell durch Sonnentrocknung, bei der sich die Kapseln öffnen und die schwarzen, bitteren Samen freigeben.
| Phase | Details | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ernte | Handpflückung ganzer Cluster, Aug.–Okt. | Maximaler Sanshool-Gehalt |
| Trocknung | Sonnentrocknung, 3–7 Tage | Kapseln öffnen sich, Samen fallen heraus |
| Samenentfernung | Schwarze Samen werden entfernt (bitter, sandig) | Reines Perikarp-Produkt |
| Sortierung | Entfernung von Stielen, Zweigen, Fremdkörpern | Premium: <5 % Samen/Stiele |
| Handelsform | Ganze Kapseln, geschrotet oder als Öl | Aromaschutz durch geringe Oberfläche |
Trockenröstung vor dem Mahlen
Für maximales Aroma werden die getrockneten Kapseln kurz in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze geröstet (1–2 Minuten), bis sie duften. Dann sofort im Mörser zerstoßen. Wichtig: Die flüchtigen Terpene gehen über ~70 °C verloren – daher nur kurz rösten und niemals in heißem Öl braten.

Chemische Zusammensetzung
Sanshool statt Piperin – ein fundamental anderes Wirkprinzip
Das chemische Profil des Szechuanpfeffers unterscheidet sich fundamentalvon echtem Pfeffer. Sein Leitwirkstoff ist Hydroxy-α-Sanshool (C₁₆H₂₅NO), ein Alkylamid, das nicht die typische Hitze von Piperin erzeugt, sondern auf mechanosensitive Ionenkanäle wirkt – insbesondere TRPA1-Rezeptoren, die für das charakteristische Taubheitsgefühl (Ma 麻) verantwortlich sind. Das Sanshool erzeugt eine messbare Vibration von ca. 50 Hz auf der Zungenoberfläche.
Das ätherische Öl kann bei Z. armatum bis zu 11,8 % erreichen und wird von Linalool (13–29 %) und d-Limonen (12–29 %)dominiert. Eine umfassende GC×GC-Studie von Zhang et al. (2025) identifizierte insgesamt 289 flüchtige Verbindungen, davon 166 als aromaaktiv, während Liang et al. (2023) die α-Glucosidase-hemmende Wirkung des ätherischen Öls nachwiesen.
Leitwirkstoff
Hydroxy-α-Sanshool
Kein Piperin!
Ätherisches Öl
Bis 11,8 % (Z. armatum)
Linalool-dominiert
Terpenprofil – Linalool-dominiert
Aroma: Blumig, lavendelartig
Aroma: Zitrus, frisch
Aroma: Würzig, holzig
Aroma: Erdig, moschusartig
Aroma: Kiefernartig, harzig
Die beiden Hauptarten unterscheiden sich deutlich in ihrer Zusammensetzung:
- Rot (Z. bungeanum): Erdiger, milder, höherer Linalool-Anteil – der Klassiker für traditionelle Gerichte
- Grün (Z. armatum): Intensivere Zitrusfrische, höherer Limonen-Anteil, bis 11,8 % ätherisches Öl – der „frischere" Typ
- Sanshool-Verhältnis: Grüner Szechuanpfeffer weist oft ein stärkeres Numbing auf als der rote
Quelle: Feng et al. 2024, PMC 11699374; Zhang et al. 2025, Food Chemistry
Forschungen haben gezeigt, dass Hydroxy-α-Sanshool eine spezifische Frequenz von etwa 50 Hz auf der Zungenoberfläche erzeugt. Dies geschieht durch die Aktivierung von Meissner-Körperchen und mechanosensitiven Ionenkanälen. Dieses „elektrische Prickeln" ist der Kern des Ma-Effekts und unterscheidet Szechuanpfeffer grundlegend von allen anderen Gewürzen.
Sensorisches Profil
Ma La – das betäubend-scharfe Doppelerlebnis
Das sensorische Erlebnis des Szechuanpfeffers ist weltweit einzigartig: das legendäre Ma La (麻辣) – eine Kombination aus betäubendem Prickeln (Ma 麻) und feuriger Schärfe (La 辣, wenn mit Chili kombiniert). Allein erzeugt Szechuanpfeffer kein Brennen, sondern ein elektrisierendes Taubheitsgefühl, das innerhalb von 3–5 Sekunden einsetzt und 5–10 Minuten anhalten kann.
Aromaradar
Trigeminaler Effekt (Betäubung/Numbing)
Schärfe-Intensität
| Dimension | Beschreibung |
|---|---|
| Visuell | Geöffnete Kapseln, tiefrot (bungeanum) oder leuchtend grün (armatum) |
| Primäraroma | Zitrus (Limone, Bergamotte), blumig (Lavendel, Rose) |
| Sekundäraroma | Kiefernartig (α-Pinen), minzig-kühlend, leicht erdig |
| Trigeminaler Effekt | Intensiv betäubend (Ma 麻), 50-Hz-Vibration, Taubheitsgefühl |
| Rot vs. Grün | Rot: erdiger, milder – Grün: intensiver, frischer, mehr Zitrus |
Kulinarische Verwendung
Herzstück der Sichuan-Küche und Five-Spice-Tradition
Szechuanpfeffer ist die unverzichtbare Seele der Sichuan-Küche, einer der acht großen Regionalküchen Chinas. Er bildet zusammen mit Chili die berühmte Ma-La-Basis und ist essenzieller Bestandteil des Five-Spice-Pulvers(Fünf-Gewürze-Pulver). Seine Verwendung reicht von Schmorgerichten über Wok-Gerichte bis hin zu Marinaden und Ölen.
Aufgrund der Hitzeempfindlichkeit der flüchtigen Terpene (Verlust über ~70 °C) sollte Szechuanpfeffer entweder kurz trocken geröstet und dann gemahlen werden oder erst gegen Ende des Kochprozesses zugegeben werden. In der Sichuan-Küche wird er häufig als Szechuanpfeffer-Öl (花椒油) verwendet, bei dem die Kapseln in warmem (nicht heißem) Öl ziehen.
Klassische Sichuan-Gerichte
- •Mapo Tofu – Das Paradebeispiel für Ma La
- •Kung Pao Hühnchen – Klassiker mit Erdnüssen und Chili
- •Chongqing Hot Pot – Feurig-betäubende Brühe
- •Dan Dan Nudeln – Würzige Sesam-Chili-Nudeln
- •Shuǐzhǔ Yú – Fisch in Chiliöl „Wasserkochen"
Moderne Anwendungen
- •Five-Spice-Pulver – Mit Sternanis, Zimt, Nelken, Fenchel
- •Szechuanpfeffer-Öl – Finishing-Öl für Suppen und Nudeln
- •Schokoladentrüffel mit Szechuanpfeffer
- •Marinaden für Ente, Schweinebauch, Weißfisch
- •Szechuanpfeffer-Salz als Tischgewürz
Küchentipp: Hitzeempfindlich!
Die aromatischen Terpene und Sanshoole gehen über ~70 °C verloren. Szechuanpfeffer sollte entweder kurz trocken geröstet (1–2 Min., dann sofort mahlen) oder spät zugegeben werden. Für Szechuanpfeffer-Öl die Kapseln in warmem (max. 70 °C), nicht heißem Öl 20–30 Minuten ziehen lassen.

Food Pairing & Getränke
Wissenschaftliches Pairing über gemeinsame Terpene
Das Pairing-Potential des Szechuanpfeffers ist enorm. Sein Linalool verbindet ihn aromatisch mit Lavendel, Koriander und Basilikum, während das d-Limonen eine natürliche Brücke zu Zitrusfrüchten bildet. Die traditionelle Sichuan-Basis aus Ingwer, Knoblauch und Sternanisfunktioniert wissenschaftlich perfekt über gemeinsame Terpenprofile.
Lebensmittel
- •Ente, Schweinebauch, Lammkeule
- •Weißfisch, Meeresfrüchte, Garnelen
- •Ingwer, Knoblauch, Sternanis
- •Dunkle Schokolade (70 %+)
- •Tofu, Aubergine, Pilze
Wein & Bier
- •Fruchtiger Riesling (Off-Dry)
- •Gewürztraminer aus dem Elsass
- •Hopfenbetonte IPA (Citra-Hopfen)
- •Dunkle Craft-Biere (Stout)
Cocktails & Spirituosen
- •Gin-Infusion (hebt Zitrus- und Blumennoten)
- •Szechuanpfeffer-Tonic mit Limette
- •Bloody Mary mit Ma-La-Kick
- •Baijiu-Cocktails (traditionell)
Gesundheit & Pharmakologie
TCM-Tradition und moderne Forschungsergebnisse
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Szechuanpfeffer als „Huajiao" seit Jahrtausenden eingesetzt, um Milz und Magen zu wärmen, Kälte auszutreiben und die Verdauung zu fördern. Moderne Studien bestätigen zahlreiche pharmakologische Aktivitäten, die über die traditionelle Nutzung hinausgehen.
| Aktivität | Effekt | Wirkstoffe | Quelle |
|---|---|---|---|
| Antioxidativ | Starke Radikalfängerwirkung | Polyphenole, Flavonoide | Qi et al. 2024 |
| Antiinflammatorisch | Hemmung von NF-κB, COX-2 | Polyphenole, Sanshool | Qi et al. 2024 |
| Antibakteriell | Breitspektrum-Wirkung | Ätherisches Öl, Terpene | Yan et al. 2023 |
| Darmgesundheit | Bifidobacterium-Zunahme | Polysaccharide, Polyphenole | Xia et al. 2022 |
| α-Glucosidase-Hemmer | Potential bei Diabetes Typ 2 | Ätherisches Öl | Liang et al. 2023 |
| Blutdruck | Potenzielle Blutdrucksenkung | Sanshool, Flavonoide | Yan et al. 2023 |
In der TCM wird Szechuanpfeffer (花椒, Huājiāo) der Kategorie „warm"zugeordnet. Er soll die Funktionskreise Milz, Magen und Niere stärken, innere Kälte vertreiben und die Verdauungskraft (Spleen-Qi) tonisieren. Typische Anwendungen umfassen Bauchschmerzen durch Kälte, Appetitlosigkeit und parasitäre Erkrankungen. Das Shennong Bencao Jing („Materia Medica des Göttlichen Bauern") beschreibt ihn als lebensverlängerndes Elixier.
Eine systematische Übersicht von Xia et al. (2022) zeigt, dass die Polyphenole und Polysaccharide des Szechuanpfeffers das Darmmikrobiom positiv beeinflussen – insbesondere durch eine Zunahme von Bifidobacterium-Stämmen. Dies könnte die traditionelle Verwendung als Verdauungsmittel auf molekularer Ebene erklären. Zudem wurde eine potenzielle blutdrucksenkende Wirkung beschrieben.
Qualitätsmerkmale & Einkauf
Erkennungszeichen eines Premium-Szechuanpfeffers
Ein hochwertiger Szechuanpfeffer zeichnet sich durch leuchtende Farbenaus – tiefes Rot bei Z. bungeanum oder kräftiges Grün bei Z. armatum. Der Anteil an Samen und Stielen sollte unter 5 % liegen. Der entscheidende sensorische Test: Beim Zerkauen einer Kapsel muss sich innerhalb von 10 Sekunden ein deutliches Taubheitsgefühl auf der Zunge einstellen.
Qualitätskriterien
- •Leuchtende Farbe (tiefrot oder kräftig grün)
- •<5 % Samen und Stiele
- •Deutliches Taubheitsgefühl innerhalb von 10 Sek.
- •Intensiver Zitrus-/Blumenduft beim Zerreiben
- •Keine Feuchtigkeit, keine Klumpen
Warnsignale
- •Fahle, bräunliche Farbe (überaltert)
- •Hoher Samenanteil (> 10 %) – Gewichtsstreckung
- •Kein oder kaum Taubheitsgefühl (Sanshool abgebaut)
- •Muffiger Geruch statt Zitrusfrische
- •Beimischung von schwarzem Pfeffer (Streckung)
Handelsform
Ganze Kapseln
Oder Szechuanpfeffer-Öl
Sensorischer Test
Taubheit in 10 Sek.
Zungentest
Max. Samen/Stiele
Unter 5 %
Premium-Qualität
Lagerung & Haltbarkeit
Schutz vor Licht, Luft und Wärme
Szechuanpfeffer ist deutlich empfindlicher als schwarzer Pfeffer. Die ätherischen Öle und Sanshoole oxidieren bei Kontakt mit Luft und Licht. Ganze Kapseln halten ihr Aroma etwa 12 Monate bei korrekter Lagerung; gemahlen verliert das Gewürz seine Potenz innerhalb weniger Wochen. Aufbewahrung in luftdichten, lichtgeschützten Behältern an einem kühlen, dunklen Ort ist zwingend erforderlich.
Haltbarkeitsrechner
Haltbarkeits-Rechner
Geschätzte optimale Haltbarkeit
48 Monate
Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas
Ganze Kapseln
Ca. 12 Monate
Luftdicht und dunkel
Gemahlen
Wenige Wochen
Schneller Potenzverlust
Temperatur
Kühl und dunkel
Unter 20 °C ideal
Verpackung
Luftdicht
Glas oder Vakuum
Geschichte & Kulturelle Bedeutung
Fruchtbarkeitssymbol und kaiserliches Gewürz
Szechuanpfeffer hat eine jahrtausendealte Geschichte in der chinesischen Kultur. Im Shennong Bencao Jing (神農本草經, „Materia Medica des Göttlichen Bauern"), einem der ältesten Arzneibücher der Welt, wird er als lebensverlängerndes Elixier beschrieben. In der chinesischen Symbolik steht Szechuanpfeffer für Fruchtbarkeit und Kindersegen – die Vielzahl der Samen in einer Kapsel symbolisiert Nachkommenschaft.
Ein bemerkenswertes Kapitel der jüngeren Geschichte: Die USA verboten den Import von Szechuanpfeffer von 1968 bis 2005 – nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen der Befürchtung, er könnte den Citrus Canker (Zitruskrebs), eine bakterielle Erkrankung von Zitrusbäumen, einschleppen. Erst nach Einführung einer Hitzebehandlung (70 °C) wurde das Importverbot aufgehoben.
| Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| ~200 v. Chr. | Beschreibung im Shennong Bencao Jing als lebensverlängerndes Mittel |
| Han-Dynastie | Fruchtbarkeitssymbol, kaiserliche Gemächer mit Huajiao-Putz ausgestrichen |
| Tang-Dynastie | Etablierung in der Sichuan-Küche, Verbreitung über Seidenstraße |
| 1968 | USA verbieten Import (Citrus-Canker-Befürchtung) |
| 2005 | US-Importverbot aufgehoben (nach Hitzebehandlungs-Pflicht) |
| 2020er | Globaler Boom der Sichuan-Küche, intensive wissenschaftliche Forschung |
Fruchtbarkeitssymbol in der chinesischen Kultur
In der Han-Dynastie wurden die Wände der kaiserlichen Gemächer mit einem Gemisch aus Szechuanpfeffer und Putz bestrichen – die sogenannten „Pfeffer-Gemächer" (椒房, jiāofáng). Dies sollte Fruchtbarkeit und Kindersegen für die Kaiserin symbolisieren. Die Vielzahl winziger Samen in jeder Kapsel machte Szechuanpfeffer zum perfekten Symbol für reiche Nachkommenschaft.
Markt, Handel & Wirtschaft
China als größter Produzent und Konsument
China ist mit Abstand der größte Produzent und Konsument von Szechuanpfeffer weltweit. Die Premium-Regionen Hanyuan und Dahongpao in Sichuan liefern die begehrtesten Qualitäten, deren Preise ein Vielfaches der Standardware betragen. International hat der Boom der Sichuan-Küche die Nachfrage in den letzten Jahren stark gesteigert – insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan.
Preissegment
Mittel bis Premium
Dahongpao: Ultra-Premium
Hauptproduzent
China (Sichuan)
Auch Nepal, Indien
Premium-Herkunft
Hanyuan, Dahongpao
Vielfacher Standardpreis
Exportmärkte
Global wachsend
EU, USA, Japan
Die Dahongpao-Varietät (大红袍, „Großer roter Mantel") aus der Region Hanyuan in Sichuan gilt als die absolute Spitzenqualität. Ihr Name bezieht sich auf die besonders tiefrote Farbe der Kapseln. Dahongpao-Pfeffer zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Sanshool-Gehalt und ein besonders komplexes, tiefes Aromaprofil aus. Er ist auf dem chinesischen Markt äußerst begehrt und erzielt Preise, die weit über dem Durchschnitt liegen.
Verwechslungsgefahr & Verfälschungen
Abgrenzung zu Timut, Andaliman und verfälschter Ware
Szechuanpfeffer wird häufig verfälscht und gestreckt – Studien zeigen, dass bis zu 40 % der Handelsware mit schwarzem Pfeffer oder geschmacklosen Samen gestreckt sein können. Zudem besteht Verwechslungsgefahr mit verwandten Zanthoxylum-Arten, insbesondere dem Timut-Pfeffer(Z. armatum var. aus Nepal), der ein stärkeres Grapefruitaroma aufweist. Auch die häufige Falschschreibung „Schezwan" statt Szechuan/Sichuan ist ein Warnsignal für minderwertige Ware.
| Merkmal | Szechuanpfeffer | Timut-Pfeffer | Andaliman |
|---|---|---|---|
| Art | Z. bungeanum / Z. armatum | Z. armatum (Nepal) | Z. acanthopodium |
| Herkunft | China (Sichuan) | Nepal | Nordsumatra |
| Leitaroma | Blumig, zitrusartig, erdig | Grapefruit, Passionsfrucht | Limette, Zitronengras |
| Numbing | Stark, klassisches Ma-Gefühl | Intensiv, zitrisch | Mittel, prickelnd |
| Verfälschungsrisiko | Hoch (bis 40 % Streckung) | Mittel | Gering (Nischenprodukt) |
Häufigste Verfälschung
Bis 40 % Streckung
Mit schwarzem Pfeffer oder Samen
Falschschreibung
„Schezwan"
Warnsignal für Billigware
Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung
Kleinbauern, Bergregionen und Agroforstwirtschaft
Der Anbau von Szechuanpfeffer ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Berglandwirtschaft. Die dornigen Sträucher werden häufig in Agroforstsystemen angebaut, wo sie zur Hangstabilisierungund Erosionsschutz beitragen. In den Bergregionen Sichuans, Yunnans und des Himalaya bietet der Anbau vielen Kleinbauernfamilien ein wichtiges Einkommen und trägt gleichzeitig zur Erhaltung der Biodiversität bei.
Ökologische Aspekte
- •Agroforstwirtschaft – Hangstabilisierung in Bergregionen
- •Erosionsschutz durch tiefes Wurzelsystem
- •Biodiversitätsförderung durch Mischkultur
- •Robuste Pflanze – minimaler Pestizideinsatz
Soziale Aspekte
- •Kleinbauern-Einkommen in Bergregionen
- •Bewahrung traditioneller Anbaumethoden
- •Wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Gemeinden
- •Kulturelles Erbe seit Jahrtausenden
Anbauform
Agroforstwirtschaft
Hangstabilisierung
Ökologie
Erosionsschutz
Tiefes Wurzelsystem
Soziales
Kleinbauern-Einkommen
Bergregionen Chinas
Quellenverzeichnis
- 1.Liang, Z. et al. (2023): „GC-MS Analysis of Essential Oil Composition and α-Glucosidase Inhibitory Activity of Zanthoxylum bungeanum." Applied Sciences 13(4):2627.
- 2.Yan, Y. et al. (2023): „Phytochemistry, Pharmacology and Pharmacokinetics of Zanthoxylum bungeanum: A Review." Natural Product Communications.
- 3.Qi, X. et al. (2024): „Polyphenols from Zanthoxylum bungeanum in inflammatory diseases." Frontiers in Immunology 15:1305886.
- 4.Feng, S. et al. (2024): „Regional Flavor and Quality Variation of Zanthoxylum bungeanum: 173 Volatile Compounds Identified." PMC 11699374.
- 5.Zhang, L. et al. (2025): „GC×GC Analysis of Aroma-Active Compounds in Zanthoxylum: 289 Volatiles, 166 Aroma-Active." Food Chemistry.
- 6.Xia, N. et al. (2022): „Zanthoxylum bungeanum as Pharma-Foods: A Systematic Review." Trends in Food Science & Technology.
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