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Pseudo-Pfeffer-Profil

Szechuanpfeffer

Zanthoxylum bungeanum & Z. armatum – Das betäubende Gewürz der Sichuan-Küche

Szechuanpfeffer ist kein Pfeffer im botanischen Sinne, sondern ein Zitrusgewächs aus der Familie der Rautengewächse. Mit seinem legendären „Ma La"-Effekt – einer einzigartigen Kombination aus betäubendem Prickeln und feuriger Schärfe – ist er das Herzstück der Sichuan-Küche und eines der faszinierendsten Gewürze der Welt.

Botanische Identität

Taxonomische Einordnung und Pflanzenmerkmale

Unter dem Sammelbegriff „Szechuanpfeffer" werden vor allem zwei Arten der Gattung Zanthoxylum zusammengefasst: Zanthoxylum bungeanum Maxim. (der rote Szechuanpfeffer, chin. 花椒 „Huājiāo") und Zanthoxylum armatumDC. (der grüne Szechuanpfeffer, chin. 青花椒 „Qīng Huājiāo"). Beide gehören zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) – derselben Familie wie Zitronen und Orangen – und sind taxonomisch völlig getrennt von den echten Pfeffern (Piper, Piperaceae).

Die Pflanzen wachsen als dornige, laubabwerfende Sträucher oder kleine Bäumemit einer Höhe von 3–7 Metern. Sie sind bemerkenswert frosthart und überstehen Temperaturen bis −20 °C. Im Gegensatz zum echten Pfeffer, bei dem der Same verwendet wird, nutzt man beim Szechuanpfeffer ausschließlich das getrocknete Perikarp (die Fruchtkapsel) – die schwarzen Samen im Inneren werden entfernt, da sie bitter und sandig schmecken.

Handelsname

Szechuanpfeffer

Sichuanpfeffer, Huajiao

Botanischer Name

Z. bungeanum / Z. armatum

Familie: Rutaceae

Wuchsform

Dorniger Strauch/Baum

3–7 m Höhe

Ordnung

Sapindales

Verwandt mit Citrus

Genutzter Teil

Perikarp (Fruchtkapsel)

Nicht der Same

Klassifizierung

Pseudo-Pfeffer

Kein Piper-Gewächs

Szechuanpfeffer mit aufgeplatzten Schalen
Szechuanpfeffer-Hülsen – die aufgeplatzten rötlichen Schalen enthalten das betäubende Sanshool. Bild: KI generiert.

Herkunft, Terroir & Anbau

Sichuan, der Himalaya und die Bergregionen Chinas

Die Heimat des Szechuanpfeffers ist Zentralchina, insbesondere die Provinz Sichuan, die dem Gewürz seinen Namen gab. Die Premium-Anbaugebiete Hanyuan (汉源) und Dahongpao (大红袍, „Großer roter Mantel") liefern die begehrtesten Qualitäten, deren Preise ein Vielfaches der Standardware betragen. Z. armatum (der grüne Typ) erstreckt sich zudem über die Himalaya-Region von Nepal bis Nordindien.

Die Bäume gedeihen in Höhenlagen von 500 bis 2.500 Metern und sind bemerkenswert frosthart (bis −20 °C). Der Anbau erfolgt überwiegend durch Kleinbauern in Bergregionen, oft in Terrassenlandschaften. Die Bodenbeschaffenheit und das Mikroklima der jeweiligen Region prägen das aromatische Profil entscheidend – eine Studie von Feng et al. (2024) identifizierte 173 flüchtige Verbindungen mit signifikanten regionalen Variationen.

Terroir-ParameterSpezifikationAuswirkung auf das Profil
GeographieSichuan, Yunnan, Gansu, HimalayaRegionale Aromavariationen (Feng 2024)
Höhenlage500–2.500 mHöhere Lagen = intensiveres Aroma
FrosthärteBis −20 °CAnbau auch in Mitteleuropa möglich
Premium-RegionHanyuan, Dahongpao (Sichuan)Höchste Sanshool-Konzentration
ErntezeitAugust–OktoberOptimale Reife für Ma-La-Effekt

Hauptregion

Sichuan, China

Hanyuan & Dahongpao

Höhenlage

500–2.500 m

Bergregionen

Frosthärte

Bis −20 °C

Extrem winterhart

Erntezeit

August–Oktober

Handpflückung

Berglandschaft in der Provinz Sichuan, China
Die nebelverhangenen Berge Sichuans – in den kühlen Höhenlagen gedeiht Zanthoxylum besonders gut. Bild: KI generiert.

Ernte & Verarbeitung

Von der dornigen Wildpflanze zur aromatischen Kapsel

Die Ernte des Szechuanpfeffers ist eine mühsame Handarbeit, da die Sträucher kräftige Dornen besitzen. Die Beeren werden in ganzen Fruchtständen (Clustern) gepflückt, sobald sie ihre charakteristische rote bzw. grüne Färbung erreichen – je nach Art zwischen August und Oktober. Die Verarbeitung erfolgt traditionell durch Sonnentrocknung, bei der sich die Kapseln öffnen und die schwarzen, bitteren Samen freigeben.

PhaseDetailsErgebnis
ErnteHandpflückung ganzer Cluster, Aug.–Okt.Maximaler Sanshool-Gehalt
TrocknungSonnentrocknung, 3–7 TageKapseln öffnen sich, Samen fallen heraus
SamenentfernungSchwarze Samen werden entfernt (bitter, sandig)Reines Perikarp-Produkt
SortierungEntfernung von Stielen, Zweigen, FremdkörpernPremium: <5 % Samen/Stiele
HandelsformGanze Kapseln, geschrotet oder als ÖlAromaschutz durch geringe Oberfläche

Trockenröstung vor dem Mahlen

Für maximales Aroma werden die getrockneten Kapseln kurz in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze geröstet (1–2 Minuten), bis sie duften. Dann sofort im Mörser zerstoßen. Wichtig: Die flüchtigen Terpene gehen über ~70 °C verloren – daher nur kurz rösten und niemals in heißem Öl braten.

Szechuanpfeffer-Baum mit roten Früchten
Zanthoxylum bungeanum – der stachelige Baum trägt im Herbst leuchtend rote Fruchthülsen. Bild: KI generiert.

Chemische Zusammensetzung

Sanshool statt Piperin – ein fundamental anderes Wirkprinzip

Das chemische Profil des Szechuanpfeffers unterscheidet sich fundamentalvon echtem Pfeffer. Sein Leitwirkstoff ist Hydroxy-α-Sanshool (C₁₆H₂₅NO), ein Alkylamid, das nicht die typische Hitze von Piperin erzeugt, sondern auf mechanosensitive Ionenkanäle wirkt – insbesondere TRPA1-Rezeptoren, die für das charakteristische Taubheitsgefühl (Ma 麻) verantwortlich sind. Das Sanshool erzeugt eine messbare Vibration von ca. 50 Hz auf der Zungenoberfläche.

Das ätherische Öl kann bei Z. armatum bis zu 11,8 % erreichen und wird von Linalool (13–29 %) und d-Limonen (12–29 %)dominiert. Eine umfassende GC×GC-Studie von Zhang et al. (2025) identifizierte insgesamt 289 flüchtige Verbindungen, davon 166 als aromaaktiv, während Liang et al. (2023) die α-Glucosidase-hemmende Wirkung des ätherischen Öls nachwiesen.

Leitwirkstoff

Hydroxy-α-Sanshool

Kein Piperin!

Ätherisches Öl

Bis 11,8 % (Z. armatum)

Linalool-dominiert

Terpenprofil – Linalool-dominiert

Linalool1329 %

Aroma: Blumig, lavendelartig

d-Limonen1229 %

Aroma: Zitrus, frisch

Sabinen713 %

Aroma: Würzig, holzig

β-Myrcen57 %

Aroma: Erdig, moschusartig

α-Pinen511 %

Aroma: Kiefernartig, harzig

Die beiden Hauptarten unterscheiden sich deutlich in ihrer Zusammensetzung:

  • Rot (Z. bungeanum): Erdiger, milder, höherer Linalool-Anteil – der Klassiker für traditionelle Gerichte
  • Grün (Z. armatum): Intensivere Zitrusfrische, höherer Limonen-Anteil, bis 11,8 % ätherisches Öl – der „frischere" Typ
  • Sanshool-Verhältnis: Grüner Szechuanpfeffer weist oft ein stärkeres Numbing auf als der rote

Quelle: Feng et al. 2024, PMC 11699374; Zhang et al. 2025, Food Chemistry

Forschungen haben gezeigt, dass Hydroxy-α-Sanshool eine spezifische Frequenz von etwa 50 Hz auf der Zungenoberfläche erzeugt. Dies geschieht durch die Aktivierung von Meissner-Körperchen und mechanosensitiven Ionenkanälen. Dieses „elektrische Prickeln" ist der Kern des Ma-Effekts und unterscheidet Szechuanpfeffer grundlegend von allen anderen Gewürzen.

Sensorisches Profil

Ma La – das betäubend-scharfe Doppelerlebnis

Das sensorische Erlebnis des Szechuanpfeffers ist weltweit einzigartig: das legendäre Ma La (麻辣) – eine Kombination aus betäubendem Prickeln (Ma 麻) und feuriger Schärfe (La 辣, wenn mit Chili kombiniert). Allein erzeugt Szechuanpfeffer kein Brennen, sondern ein elektrisierendes Taubheitsgefühl, das innerhalb von 3–5 Sekunden einsetzt und 5–10 Minuten anhalten kann.

Aromaradar

ZitrusBlumigKiefernartigMinzigErdigBetäubendHolzigWürzig

Trigeminaler Effekt (Betäubung/Numbing)

Schärfe-Intensität

7/ 10Scharf
TypSanshool (Taubheitsgefühl)
EinsatzSofort (3–5 Sek.)
DauerMittel (5–10 Min.)
DimensionBeschreibung
VisuellGeöffnete Kapseln, tiefrot (bungeanum) oder leuchtend grün (armatum)
PrimäraromaZitrus (Limone, Bergamotte), blumig (Lavendel, Rose)
SekundäraromaKiefernartig (α-Pinen), minzig-kühlend, leicht erdig
Trigeminaler EffektIntensiv betäubend (Ma 麻), 50-Hz-Vibration, Taubheitsgefühl
Rot vs. GrünRot: erdiger, milder – Grün: intensiver, frischer, mehr Zitrus

Kulinarische Verwendung

Herzstück der Sichuan-Küche und Five-Spice-Tradition

Szechuanpfeffer ist die unverzichtbare Seele der Sichuan-Küche, einer der acht großen Regionalküchen Chinas. Er bildet zusammen mit Chili die berühmte Ma-La-Basis und ist essenzieller Bestandteil des Five-Spice-Pulvers(Fünf-Gewürze-Pulver). Seine Verwendung reicht von Schmorgerichten über Wok-Gerichte bis hin zu Marinaden und Ölen.

Aufgrund der Hitzeempfindlichkeit der flüchtigen Terpene (Verlust über ~70 °C) sollte Szechuanpfeffer entweder kurz trocken geröstet und dann gemahlen werden oder erst gegen Ende des Kochprozesses zugegeben werden. In der Sichuan-Küche wird er häufig als Szechuanpfeffer-Öl (花椒油) verwendet, bei dem die Kapseln in warmem (nicht heißem) Öl ziehen.

Klassische Sichuan-Gerichte

  • Mapo Tofu – Das Paradebeispiel für Ma La
  • Kung Pao Hühnchen – Klassiker mit Erdnüssen und Chili
  • Chongqing Hot Pot – Feurig-betäubende Brühe
  • Dan Dan Nudeln – Würzige Sesam-Chili-Nudeln
  • Shuǐzhǔ Yú – Fisch in Chiliöl „Wasserkochen"

Moderne Anwendungen

  • Five-Spice-Pulver – Mit Sternanis, Zimt, Nelken, Fenchel
  • Szechuanpfeffer-Öl – Finishing-Öl für Suppen und Nudeln
  • Schokoladentrüffel mit Szechuanpfeffer
  • Marinaden für Ente, Schweinebauch, Weißfisch
  • Szechuanpfeffer-Salz als Tischgewürz

Küchentipp: Hitzeempfindlich!

Die aromatischen Terpene und Sanshoole gehen über ~70 °C verloren. Szechuanpfeffer sollte entweder kurz trocken geröstet (1–2 Min., dann sofort mahlen) oder spät zugegeben werden. Für Szechuanpfeffer-Öl die Kapseln in warmem (max. 70 °C), nicht heißem Öl 20–30 Minuten ziehen lassen.

Sichuan Mapo Tofu mit Szechuanpfeffer
Mapo Tofu – das Paradebeispiel für Ma-La: betäubendes Prickeln und feurige Schärfe in perfekter Balance. Bild: KI generiert.

Food Pairing & Getränke

Wissenschaftliches Pairing über gemeinsame Terpene

Das Pairing-Potential des Szechuanpfeffers ist enorm. Sein Linalool verbindet ihn aromatisch mit Lavendel, Koriander und Basilikum, während das d-Limonen eine natürliche Brücke zu Zitrusfrüchten bildet. Die traditionelle Sichuan-Basis aus Ingwer, Knoblauch und Sternanisfunktioniert wissenschaftlich perfekt über gemeinsame Terpenprofile.

Lebensmittel

  • Ente, Schweinebauch, Lammkeule
  • Weißfisch, Meeresfrüchte, Garnelen
  • Ingwer, Knoblauch, Sternanis
  • Dunkle Schokolade (70 %+)
  • Tofu, Aubergine, Pilze

Wein & Bier

  • Fruchtiger Riesling (Off-Dry)
  • Gewürztraminer aus dem Elsass
  • Hopfenbetonte IPA (Citra-Hopfen)
  • Dunkle Craft-Biere (Stout)

Cocktails & Spirituosen

  • Gin-Infusion (hebt Zitrus- und Blumennoten)
  • Szechuanpfeffer-Tonic mit Limette
  • Bloody Mary mit Ma-La-Kick
  • Baijiu-Cocktails (traditionell)

Gesundheit & Pharmakologie

TCM-Tradition und moderne Forschungsergebnisse

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Szechuanpfeffer als „Huajiao" seit Jahrtausenden eingesetzt, um Milz und Magen zu wärmen, Kälte auszutreiben und die Verdauung zu fördern. Moderne Studien bestätigen zahlreiche pharmakologische Aktivitäten, die über die traditionelle Nutzung hinausgehen.

AktivitätEffektWirkstoffeQuelle
AntioxidativStarke RadikalfängerwirkungPolyphenole, FlavonoideQi et al. 2024
AntiinflammatorischHemmung von NF-κB, COX-2Polyphenole, SanshoolQi et al. 2024
AntibakteriellBreitspektrum-WirkungÄtherisches Öl, TerpeneYan et al. 2023
DarmgesundheitBifidobacterium-ZunahmePolysaccharide, PolyphenoleXia et al. 2022
α-Glucosidase-HemmerPotential bei Diabetes Typ 2Ätherisches ÖlLiang et al. 2023
BlutdruckPotenzielle BlutdrucksenkungSanshool, FlavonoideYan et al. 2023

In der TCM wird Szechuanpfeffer (花椒, Huājiāo) der Kategorie „warm"zugeordnet. Er soll die Funktionskreise Milz, Magen und Niere stärken, innere Kälte vertreiben und die Verdauungskraft (Spleen-Qi) tonisieren. Typische Anwendungen umfassen Bauchschmerzen durch Kälte, Appetitlosigkeit und parasitäre Erkrankungen. Das Shennong Bencao Jing („Materia Medica des Göttlichen Bauern") beschreibt ihn als lebensverlängerndes Elixier.

Eine systematische Übersicht von Xia et al. (2022) zeigt, dass die Polyphenole und Polysaccharide des Szechuanpfeffers das Darmmikrobiom positiv beeinflussen – insbesondere durch eine Zunahme von Bifidobacterium-Stämmen. Dies könnte die traditionelle Verwendung als Verdauungsmittel auf molekularer Ebene erklären. Zudem wurde eine potenzielle blutdrucksenkende Wirkung beschrieben.

Qualitätsmerkmale & Einkauf

Erkennungszeichen eines Premium-Szechuanpfeffers

Ein hochwertiger Szechuanpfeffer zeichnet sich durch leuchtende Farbenaus – tiefes Rot bei Z. bungeanum oder kräftiges Grün bei Z. armatum. Der Anteil an Samen und Stielen sollte unter 5 % liegen. Der entscheidende sensorische Test: Beim Zerkauen einer Kapsel muss sich innerhalb von 10 Sekunden ein deutliches Taubheitsgefühl auf der Zunge einstellen.

Qualitätskriterien

  • Leuchtende Farbe (tiefrot oder kräftig grün)
  • <5 % Samen und Stiele
  • Deutliches Taubheitsgefühl innerhalb von 10 Sek.
  • Intensiver Zitrus-/Blumenduft beim Zerreiben
  • Keine Feuchtigkeit, keine Klumpen

Warnsignale

  • Fahle, bräunliche Farbe (überaltert)
  • Hoher Samenanteil (> 10 %) – Gewichtsstreckung
  • Kein oder kaum Taubheitsgefühl (Sanshool abgebaut)
  • Muffiger Geruch statt Zitrusfrische
  • Beimischung von schwarzem Pfeffer (Streckung)

Handelsform

Ganze Kapseln

Oder Szechuanpfeffer-Öl

Sensorischer Test

Taubheit in 10 Sek.

Zungentest

Max. Samen/Stiele

Unter 5 %

Premium-Qualität

Lagerung & Haltbarkeit

Schutz vor Licht, Luft und Wärme

Szechuanpfeffer ist deutlich empfindlicher als schwarzer Pfeffer. Die ätherischen Öle und Sanshoole oxidieren bei Kontakt mit Luft und Licht. Ganze Kapseln halten ihr Aroma etwa 12 Monate bei korrekter Lagerung; gemahlen verliert das Gewürz seine Potenz innerhalb weniger Wochen. Aufbewahrung in luftdichten, lichtgeschützten Behältern an einem kühlen, dunklen Ort ist zwingend erforderlich.

Haltbarkeitsrechner

Haltbarkeits-Rechner

Geschätzte optimale Haltbarkeit

48 Monate

Ganze Körner in bernsteinfarbenem Glas

Ganze Kapseln

Ca. 12 Monate

Luftdicht und dunkel

Gemahlen

Wenige Wochen

Schneller Potenzverlust

Temperatur

Kühl und dunkel

Unter 20 °C ideal

Verpackung

Luftdicht

Glas oder Vakuum

Geschichte & Kulturelle Bedeutung

Fruchtbarkeitssymbol und kaiserliches Gewürz

Szechuanpfeffer hat eine jahrtausendealte Geschichte in der chinesischen Kultur. Im Shennong Bencao Jing (神農本草經, „Materia Medica des Göttlichen Bauern"), einem der ältesten Arzneibücher der Welt, wird er als lebensverlängerndes Elixier beschrieben. In der chinesischen Symbolik steht Szechuanpfeffer für Fruchtbarkeit und Kindersegen – die Vielzahl der Samen in einer Kapsel symbolisiert Nachkommenschaft.

Ein bemerkenswertes Kapitel der jüngeren Geschichte: Die USA verboten den Import von Szechuanpfeffer von 1968 bis 2005 – nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen der Befürchtung, er könnte den Citrus Canker (Zitruskrebs), eine bakterielle Erkrankung von Zitrusbäumen, einschleppen. Erst nach Einführung einer Hitzebehandlung (70 °C) wurde das Importverbot aufgehoben.

ZeitraumEreignis
~200 v. Chr.Beschreibung im Shennong Bencao Jing als lebensverlängerndes Mittel
Han-DynastieFruchtbarkeitssymbol, kaiserliche Gemächer mit Huajiao-Putz ausgestrichen
Tang-DynastieEtablierung in der Sichuan-Küche, Verbreitung über Seidenstraße
1968USA verbieten Import (Citrus-Canker-Befürchtung)
2005US-Importverbot aufgehoben (nach Hitzebehandlungs-Pflicht)
2020erGlobaler Boom der Sichuan-Küche, intensive wissenschaftliche Forschung

Fruchtbarkeitssymbol in der chinesischen Kultur

In der Han-Dynastie wurden die Wände der kaiserlichen Gemächer mit einem Gemisch aus Szechuanpfeffer und Putz bestrichen – die sogenannten „Pfeffer-Gemächer" (椒房, jiāofáng). Dies sollte Fruchtbarkeit und Kindersegen für die Kaiserin symbolisieren. Die Vielzahl winziger Samen in jeder Kapsel machte Szechuanpfeffer zum perfekten Symbol für reiche Nachkommenschaft.

Markt, Handel & Wirtschaft

China als größter Produzent und Konsument

China ist mit Abstand der größte Produzent und Konsument von Szechuanpfeffer weltweit. Die Premium-Regionen Hanyuan und Dahongpao in Sichuan liefern die begehrtesten Qualitäten, deren Preise ein Vielfaches der Standardware betragen. International hat der Boom der Sichuan-Küche die Nachfrage in den letzten Jahren stark gesteigert – insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan.

Preissegment

Mittel bis Premium

Dahongpao: Ultra-Premium

Hauptproduzent

China (Sichuan)

Auch Nepal, Indien

Premium-Herkunft

Hanyuan, Dahongpao

Vielfacher Standardpreis

Exportmärkte

Global wachsend

EU, USA, Japan

Die Dahongpao-Varietät (大红袍, „Großer roter Mantel") aus der Region Hanyuan in Sichuan gilt als die absolute Spitzenqualität. Ihr Name bezieht sich auf die besonders tiefrote Farbe der Kapseln. Dahongpao-Pfeffer zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Sanshool-Gehalt und ein besonders komplexes, tiefes Aromaprofil aus. Er ist auf dem chinesischen Markt äußerst begehrt und erzielt Preise, die weit über dem Durchschnitt liegen.

Verwechslungsgefahr & Verfälschungen

Abgrenzung zu Timut, Andaliman und verfälschter Ware

Szechuanpfeffer wird häufig verfälscht und gestreckt – Studien zeigen, dass bis zu 40 % der Handelsware mit schwarzem Pfeffer oder geschmacklosen Samen gestreckt sein können. Zudem besteht Verwechslungsgefahr mit verwandten Zanthoxylum-Arten, insbesondere dem Timut-Pfeffer(Z. armatum var. aus Nepal), der ein stärkeres Grapefruitaroma aufweist. Auch die häufige Falschschreibung „Schezwan" statt Szechuan/Sichuan ist ein Warnsignal für minderwertige Ware.

MerkmalSzechuanpfefferTimut-PfefferAndaliman
ArtZ. bungeanum / Z. armatumZ. armatum (Nepal)Z. acanthopodium
HerkunftChina (Sichuan)NepalNordsumatra
LeitaromaBlumig, zitrusartig, erdigGrapefruit, PassionsfruchtLimette, Zitronengras
NumbingStark, klassisches Ma-GefühlIntensiv, zitrischMittel, prickelnd
VerfälschungsrisikoHoch (bis 40 % Streckung)MittelGering (Nischenprodukt)

Häufigste Verfälschung

Bis 40 % Streckung

Mit schwarzem Pfeffer oder Samen

Falschschreibung

„Schezwan"

Warnsignal für Billigware

Nachhaltigkeit & Soziale Verantwortung

Kleinbauern, Bergregionen und Agroforstwirtschaft

Der Anbau von Szechuanpfeffer ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Berglandwirtschaft. Die dornigen Sträucher werden häufig in Agroforstsystemen angebaut, wo sie zur Hangstabilisierungund Erosionsschutz beitragen. In den Bergregionen Sichuans, Yunnans und des Himalaya bietet der Anbau vielen Kleinbauernfamilien ein wichtiges Einkommen und trägt gleichzeitig zur Erhaltung der Biodiversität bei.

Ökologische Aspekte

  • Agroforstwirtschaft – Hangstabilisierung in Bergregionen
  • Erosionsschutz durch tiefes Wurzelsystem
  • Biodiversitätsförderung durch Mischkultur
  • Robuste Pflanze – minimaler Pestizideinsatz

Soziale Aspekte

  • Kleinbauern-Einkommen in Bergregionen
  • Bewahrung traditioneller Anbaumethoden
  • Wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Gemeinden
  • Kulturelles Erbe seit Jahrtausenden

Anbauform

Agroforstwirtschaft

Hangstabilisierung

Ökologie

Erosionsschutz

Tiefes Wurzelsystem

Soziales

Kleinbauern-Einkommen

Bergregionen Chinas

Quellenverzeichnis

  • 1.Liang, Z. et al. (2023): „GC-MS Analysis of Essential Oil Composition and α-Glucosidase Inhibitory Activity of Zanthoxylum bungeanum." Applied Sciences 13(4):2627.
  • 2.Yan, Y. et al. (2023): „Phytochemistry, Pharmacology and Pharmacokinetics of Zanthoxylum bungeanum: A Review." Natural Product Communications.
  • 3.Qi, X. et al. (2024): „Polyphenols from Zanthoxylum bungeanum in inflammatory diseases." Frontiers in Immunology 15:1305886.
  • 4.Feng, S. et al. (2024): „Regional Flavor and Quality Variation of Zanthoxylum bungeanum: 173 Volatile Compounds Identified." PMC 11699374.
  • 5.Zhang, L. et al. (2025): „GC×GC Analysis of Aroma-Active Compounds in Zanthoxylum: 289 Volatiles, 166 Aroma-Active." Food Chemistry.
  • 6.Xia, N. et al. (2022): „Zanthoxylum bungeanum as Pharma-Foods: A Systematic Review." Trends in Food Science & Technology.

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